Kein Marktfrühschoppen in diesem Jahr auf dem Marktplatz
In einer Presseerklärung hat Oberbürgermeister Egon Vaupel jetzt klargestellt, dass der Marktfrühschoppen in diesem Jahr nicht auf dem Marktplatz vor dem Rathaus stattfinden wird.
Wir veröffentlichen hier die Pressemitteilung im Wortlaut:
Der Marktfrühschoppen wird in diesem Jahr nicht auf dem Marktplatz vor dem Rathaus stattfinden. Oberbürgermeister Egon Vaupel hat dem Marktfrühschoppenverein, die für die Ausrichtung des Festes notwendige Sondernutzungserlaubnis für den Marktplatz nicht erteilt. Damit reagiert der Oberbürgermeister auf die unterschiedlichen Auffassungen in den Stadtteilgemeinden und dem als Veranstalter fungierenden Marktfrühschoppenverein, die, so Egon Vaupel, „zu einem tiefen Bruch in der Bürgerschaft“ geführt haben. „Mit Rücksicht auf die Bürgerinnen und Bürger und aus Respekt vor der toleranten Geisteshaltung in unserer Stadt halte ich eine Aussetzung des Festes für geboten“, betont der Oberbürgermeister.
Der Magistrat hat bereits vor Wochen empfohlen, den Marktfrühschoppen in diesem Jahr nicht zu veranstalten. Auslöser war die Werbung der Burschenschaft Rheinfranken im Internet für den Marktfrühschoppen. Das suggeriere eine Nähe dieses traditionellen Festes zu dieser Burschenschaft, „die der Magistrat und der Veranstalter nicht wollen“, sagt Vaupel. Nach dem Deutschen Burschentag Anfang Juni diesen Jahres in Eisenach und den dort gemachten Äußerungen zum Thema Rechtsextremismus sei eine Abgrenzung von Burschenschaften wie den Rheinfranken mehr als geboten. „Weder die Rheinfranken noch die Burschenschaften Germania und Normannia-Leipzig haben sich meines Wissens von den unverantwortlichen Äußerungen in ihrem Dachverband Deutsche Burschenschaften distanziert“, so Vaupel.
All dies habe in der Arbeitsgemeinschaft der Stadtteilgemeinden die Haltung verstärkt, sich in diesem Jahr nicht an der Ausrichtung des Marktfrühschoppens zu beteiligen. Der Marktfrühschoppen war ein Fest der Oberstadtgemeinde, und die habe sich 1998 nach den massiven Auseinandersetzungen im Vorfeld und während des Festes als Veranstalter zurückgezogen, erinnert Vaupel. „Die Tradition des Marktfrühschoppens als kürzestes Fest Deutschlands war damit beendet.“
Die Stadtteilgemeinden waren dann als Folge dieser Entwicklung als Veranstalter eingesprungen. Der Marktfrühschoppenverein wiederum ist ein Ergebnis dieses Veranstalterwechsels. Die seit einigen Jahren zu beobachtende Dominanz der oben erwähnten Burschenschaften, deren Geisteshaltung und die aktuellen Ereignisse seien für die Arbeitsgemeinschaft der Stadtteilgemeinden und den Magistrat Grund genug, inne zu halten und ein neues, echtes Fest für die Stadtgesellschaft zu planen. „Ich kann und will den Bruch in der Bürgerschaft, der sich an dem Pro und Contra für dieses Fest entzündet hat, nicht ignorieren“, so der Oberbürgermeister. „Das muss fair und im Geist der weltoffenen, toleranten Bürgerschaft in der Universitätsstadt Marburg aufgearbeitet werden.“ Damit wäre auch einer pauschalen Verurteilung aller studentischen Verbindungen ein Riegel vorgeschoben.
Entschieden wendet sich der Oberbürgermeister gegen Aufrufe im Internet, „das Fest mit allen Mitteln“ verhindern zu wollen. „Hier wird zu Gewalt gegen Personen aufgerufen“, erklärt Egon Vaupel, „und dies wiederum ist ebenfalls auf keinen Fall zu tolerieren.“
Nr. 96 / 18. Juni 2012 / 011-bo