Aktuelle Infos zu den Partnerstädten: Ach wie schön wäre es, wenn wir einfach mal zum Kaffee rüber kommen könnten…"- Eisenacher und Marburger feierten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Marburg
Pressemitteilung vom 04.10.2012
Ach wie schön wäre es, wenn wir einfach mal zum Kaffee rüber kommen könnten…- Eisenacher und Marburger feierten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Marburg
Gleichzeitig Ausstellungseröffnung im Rathaus und Verleihung des Stadtsiegels auf dem Fest der Kulturen im KFZ an Marburger Bürgerinnen und Bürger -
Seit 24 Jahren besteht die Städtepartnerschaft Marburg- Eisenach. Zum 22. Mal wurde der Tag der Deutschen Einheit in einer Feierstunde in der Stadt an der Lahn oder in der Wartburgstadt begangen. Dieses Jahr lud die Universitätsstadt Marburg Bürgerinnen, Bürger und Stadtoberhäupter in den Historischen Rathaussaal ein.
Musikalisch umrahmt vom Duo Klaviola, hielt Oberbürgermeister Egon Vaupel die Ansprache und Oberbürgermeisterin Katja Wolf das Grußwort. "Ach wie schön wäre es, wenn wir einfach mal zum Kaffee rüber kommen könnten", zitierte die amtierende Oberbürgermeisterin von Eisenach, Katja Wolf, den Satz aus ihrer Kindheit, der zwischen ihrer Ost- und Westverwandtschaft oft ausgesprochen wurde. Für die Städte Eisenach und Marburg, die durch den Lebensweg der Heiligen Elisabeth eine gemeinsame Geschichte haben, ergab sich etwas von dieser Selbstverständlichkeit schon mehr als ein Jahr vor dem 3. Oktober 1989.
"Als Partnerstädte sind wir - ich meine die Bürgerinnen und Bürger in Eisenach und in der Universitätsstadt Marburg - schon vor der Wende ein Stück des Weges gemeinsam gegangen", so Marburger Oberbürgermeister Vaupel in seiner Ansprache, "die Besiegelung der Partnerschaft im Juni 1988 war damals ein herausragendes Ereignis. Politik und Bürgerschaft haben diese Partnerschaft gewollt.
An dieser Grundlage hat sich bis heute nichts geändert. Die Städtepartnerschaft Marburg-Eisenach wird wirklich gelebt. Wir feiern ganz bewusst den 3. Oktober seit 1990 jeweils im Wechsel in Eisenach und Marburg."
Oberbürgermeisterin Katja Wolf erinnerte daran, dass die innerdeutsche Teilung in den Köpfen der jüngeren Generationen schon Geschichte sei. "Wenn wir heute das beginnende 24. Jahr der Deutschen Einheit feiern, tun wir dies natürlich mit einer gewissen Routine. Die Jahre sind wie im Flug vergangen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Deutschland eins ist, dass wir zusammengehören."
Sehr wichtig war ihr weiterhin zu sagen, dass "wenn die Probleme Deutschlands und Europas dieser Tage wieder einmal übermächtig werden, dann sollte man sich daran erinnern, wie wunderbar 1989 die innerdeutsche Grenze überwunden wurde. Natürlich gibt es Probleme, die keiner leugnen will. Aber fest steht: Die alten und die neuen Bundesländer, Ost und West - wie immer man es nennen mag - gehören unzertrennlich und für immer zusammen." Dazu zitierte Oberbürgermeisterin Wolf den Autor Ernst Jünger: "Wenn dein Bruder vor der Tür steht, dann fragst du auch nicht, was er dich kosten wird, sondern du lässt ihn ein."
Eröffnung der Ausstellung "Grau in Grau - Stadtbild Eisenach 1989" Um an die Umbrüche des Jahres 1989 in Eisenach zu erinnern, brachte Oberbürgermeisterin Wolf die von Dr. Reinhold Brunner und Klaudius Kabus vom Stadtarchiv Eisenach konzipierte Ausstellung "Grau in Grau - Stadtbild Eisenach 1989" mit nach Marburg. Sie zeigt bis zum 31. Oktober im Rathaus anhand von Fotografien den baulichen Zustand der Wartburgstadt in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre.
In eindrucksvollen schwarz-weiß Aufnahmen haben die Fotografen Lutz Mittelbach, Ulrich Kneise, Gernot Hahn, Janett Berger und Max-Ulrich Schneider dokumentarisch festgehalten, wie sich die Stadt in einem schleichenden Verfall befand. Die Aufnahmen sind gleichfalls Ausdruck für den Niedergang des politischen Systems, mit dem viele Eisenacher nicht mehr einverstanden waren und so im Herbst 1989 auf die Straße gingen.
Leserbriefe sind dort zu finden, die ein zunächst noch vorsichtiges Aufbegehren zeigen. Die Ausstellung vermeidet ganz bewusst, das Damals mit dem Heute zu vergleichen. Sie zeigt damit auf, dass das sozialistisch-totalitäre System der DDR mit dem heutigen System mit einfachen, in westdeutschen Köpfen verankerten Glaubenssätzen wie "Damals war alles schlecht" und "Heute ist alles besser" nicht kontrastiert werden kann.
"Jetzt ist nicht mehr alles nur Grau in Grau", schloss Oberbürgermeister Egon Vaupel die Eröffnung der Veranstaltung, " die vielen Schattierungen, die es auch in den Farbskalen gibt, haben sich in den 22 Jahren auch in Eisenach entwickelt. Und das ist gut so. Ich bin dankbar für die Städtepartnerschaft mit Eisenach. Wir haben viele Berührungspunkte in unserer Stadtgeschichte, aber erst im wiedervereinten Deutschland ist das Miteinander so richtig gewachsen. Und das macht die innerdeutsche Städtepartnerschaft zu etwas Besonderem. Das feiern wir heute!"
Tag der Kulturen- Verleihung des Historischen Stadtsiegels an Marburger Bürgerinnen und Bürger In Marburg wurde jedoch nicht nur gemeinsam mit den Eisenachern der Tag der Deutschen Einheit gefeiert, sondern es war auch gleichzeitig ein gemeinsames Fest mit Menschen anderer Kulturen vorbereitet worden, leben doch Menschen aus 141 Nationen in Marburg. Im Rahmen des "Tags der kulturellen Vielfalt zum Tag der Deutschen Einheit" überreichte Oberbürgermeister Vaupel 10 Marburgerinnen und Marburgern das Historische Stadtsiegel, die sich um Integration und kulturelles Verständnis in Marburg verdient gemacht haben. Das Historische Stadtsiegel erhielten: Manal Atalla, Monika Bunk, Shaima Ghafury, Halina Pollum, Helga Pukall, Bilal El Zayat, Victor Gräfenstein, Matin Baraki, Hannes Eibach und Salim Sahip.