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Aktuelle Nachrichten und Presseinformationen: Denkmalschutz und Solarenergie vereint

Presseinformation vom: 25.10.2012

Neue Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Technologie- und Informationszentrums - TTZ - im Hintergrund von Georg Rühl, Geschäftsführer der Fa. Elektro Rühl, Tomas Schneider, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg Immobilien GmbH und Bürgermeister Dr. Franz Kahle (neues Fenster)

Auf dem Dach des Technologie- und Tagungszentrums - TTZ - ist eine Photovoltaik-Anlage in Betrieb genommen worden. "Obwohl das Gebäude dem Denkmalschutz unterliegt, ist es nach Prüfung gelungen, diese Anlage zu installieren", sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle und hob damit eine der beiden Besonderheiten dieses Projektes hervor.

Dies unterstreicht Georg Rühl, der Geschäftführer der Fa. Elektro-Rühl GmbH. Er stellte sich, in Zusammenarbeit mit dem Dachdeckerbetrieb Nau aus Kirchhain, der Herausforderung die PV-Anlage auf den Untergrund eines Schieferdaches anzubringen. Nun zeigt er sich sehr zufrieden über das gelungene Ergebnis. Die zweite Besonderheit ist, dass der erzeugte Strom nicht ins öffentliche Netz eingespeist, sondern vor Ort verbraucht wird.

PLANUNG - UMSETZUNG - ZUKUNFSAUSSICHTEN

Das Gebäude - Teil des TTZ

Zwischen Lahn und Südviertel liegt das TTZ - Technologie- und Tagungszentrum Marburg - als Ensemble aus alten Militärbauten und moderner Architektur und gelungenes Beispiel einer innerstädtischen Konversionsfläche. Heute sind hier neben dem Tagungsbetrieb des TTZ innovative Unternehmen mit ingenieurtechnischen Schwerpunkten ansässig. So arbeiten in den drei Gebäuden über zweihundert hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Über die Ansiedlung der Unternehmen in Marburg wie über die Auslastung freut sich Tomas Schneider als Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg Immobilien GmbH. Er ist verantwortlich für den Tagungsbetrieb und die Bewirtschaftung der Gewerbeflächen der städtischen Tochtergesellschaft.

Der Stromverbrauch

Mit dem geschäftigen Treiben stieg der Stromverbrauch an. Trotz Einsparmaßnahmen der letzten Jahre benötigen die 6.000 m² Bürofläche in etwa so viel Strom wie 60 Vier-Personenhaushalte. Anders als im normalen Privathaushalt fällt die Verbrauchsspitze dabei in die Tageszeit. Gleichzeitig verfügt die Liegenschaft über große sonnige Dachflächen auf den denkmalgeschützten Gebäuden.

Die Idee: Eine PV-Anlage für den Eigenverbrauch

"Das ist eine Chance für neue Konzepte: eine Anlage mit dem expliziten Ziel der Eigenversorgung muss her" dachte sich der Geschäftsführer und nahm Kontakt mit der Stadt auf, um gemeinsam eine denkmalschutzkompatible Lösung, zunächst für das erste Altbaugebäude, zu entwickeln. Zusammen mit der Fachkenntnis des Dachdeckerbetriebs Nau aus Kirchhain und dem Photovoltaik-Know-how von Wilfried Rühl aus Kirchvers entwickelte Schneider in einem halben Jahr Planungszeit ein passendes Anlagenkonzept.

Die Realisierung

Seit Sommer läuft die Anlage nun mit ihren 12,4 kWp - mehr war mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar. Dennoch deckt sie etwa 20 % des Strombedarfs des Gebäudes. "Damit hat die Anlage alle Erwartungen erfüllt - auch in dem Punkt, dass sie durch die Beschattung der Dachfläche sogar noch zur Senkung des Stromverbrauchs beigetragen hat", schwärmt der Geschäftsführer. Die zweite Ebene nämlich, in der die Module über dem Dach liegen, sorgt wie ein hinterlüfteter Sonnenschirm für eine angenehme Kühlung der dahinterliegenden Schindeln und reduziert so auch die sommerlichen Temperaturen der Büros im Dachgeschoss. Der erzeugte Strom konnte bislang fast vollständig in Echtzeit in das eigene Gebäudenetz eingespeist werden.

Die Zukunft: PV für den Eigenverbrauch

Bürgermeister Dr. Franz Kahle ist als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke sehr zufrieden: "Damit entlasten wir das öffentliche Netz von den mittäglichen Spitzen ein wenig und zeigen, dass die dezentrale Erzeugung regenerativer Energie eben nicht unbedingt immer mit großen Netzausbauten verbunden sein muss. Bei kluger Planung kann sie sogar das Gegenteil bewirken." Netzentgelte entfallen so ebenfalls und langfristig kann sich der Eigenverbrauch bei heutigen Modulpreisen rechnen, ohne die EEG-Umlage zu belasten. Auch für die Mieter ist es ein angenehmes Gefühl, zu wissen, dass ein Fünftel des Ökostroms sogar auf dem eigenen Dach erzeugt wird. Ökologischer geht’s kaum noch. So haben auch alle Mieter mitgemacht und beziehen nun Ihren Strom vom Vermieter. Der Denkmalschutz ist auch zu seinem Recht gekommen.

Es geht weiter

Vom Erfolg des Projekts beflügelt, gibt es schon weitere Überlegungen - diesmal für 65 bis 100 kWp. Zusammen mit den nun schon bestehenden Anlagen (eine weitere gibt es seit 1996 auf dem Dach des Büroturms) könnten dann etwa ein Drittel des gesamten Stromverbrauchs der Liegenschaft direkt vor Ort produziert werden. Als Problem stellt sich hier aber derzeit heraus, dass viele Systeme technisch nicht mehr weiterentwickelt werden und einige innovative Lieferanten von dem durch die unkalkulierbare Umkrempelung der Fördermittellandschaft zusammengebrochenen Photovoltaikmarkt verschwunden sind. "Viele Unternehmen der Branche können sich außer "Schema F" keine Nischenentwicklung mehr leisten", bedauert Tomas Schneider. Er und Bürgermeister Dr. Franz Kahle sind sich aber sicher, mit den örtlichen Handwerksfirmen weitere PV-Projekte auf und an seinen Gebäuden rentabel umsetzen zu können.

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