Universitätsstadt Marburg

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Lokale Agenda 21 Leitbilder -AG Frauenzurück

Präambel:

Obgleich in Marburg Frauenfragen bereits thematisiert werden, muss Frauenpolitik eine Querschnittsaufgabe sein, mit der eine nachhaltige Entwicklung erreicht werden kann. Frauenspezifische Forderungen müssen in allen Bereichen der Agenda 21 berücksichtigt werden. Um eine geschlechterparitätische Erarbeitung der Leitbilder zu gewährleisten, sind folgende Aspekte handlungsweisend: Die Geschlechtergerechtigkeit bezieht sich auf alle Bereiche sozialen, ökologischen und ökonomischen Handelns. Die Stadt Marburg, die hier ansässigen Firmen, Parteien, Verbände und Initiativen sowie alle Bürgerinnen und Bürger werden aufgefordert, die frauenspezifischen Ziele für eine geschlechtergerechte Gesellschaft hier und weltweit anzuerkennen, die Umsetzung der Maßnahmen zu fördern und durch verantwortliches Handeln im privaten und im öffentlichen Leben umzusetzen. So kann die Vision einer nachhaltigen Entwicklung zugunsten aller verwirklicht werden. Daher verpflichtet sich die Stadt Marburg im Rahmen ihrer Aktivitäten folgende Ziele einzuhalten und entsprechende Maßnahmen zu ermöglichen:

Ziele:

1. Gerechte Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit
Die Versorgungsarbeit in der Familie muss gesellschaftlich anerkannt und von Männern und Frauen in gleichem Maße geleistet werden. Frauen sind im Erwerbsleben und besonders in Führungspositionen den Männern gleichzustellen. Die Bezahlung in traditionellen Frauenberufen ( z. B. Erzieherinnen, Sekretärinnen, Altenpflegerinnen ) ist anzuheben. Eine gesicherte pädagogisch sinnvolle Betreuung von Kindern ist zu gewährleisten, um Alleinerziehenden und beiden Elternteilen eine eigene Erwerbsarbeit zu ermöglichen.

2. Gerechte soziale Sicherheit für alle Menschen in allen Lebensphasen
Allen gesellschaftlichen Gruppen oder Einzelpersonen ohne Beachtung ihres Ge-schlechts, ihrer Berufs- und ihrer PartnerInnenwahl, ihrer Herkunft oder ihrer Persönlich-keit muss eine ausreichende soziale Grundsicherung gewährleistet werden. Einelternfami-lien und ältere Frauen in sozialen Notlagen sind dabei besonders zu berücksichtigen.

3. Gleiche Chancen für alle
Frauen dürfen wegen ihres Geschlechts oder ihrer privaten (familiären) Situation in der Wahl ihres Berufsweges nicht eingeschränkt werden. Herkömmliche Geschlechterrollen dürfen keine Kriterien bei der Vergabe von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sein. Das Gleichberechtigungsgesetz des Landes ist einzuhalten und umzusetzen. Frauen sind stärker an zukunftsweisenden Entwicklungen zu beteiligen.

4. Gesellschaftliche Anerkennung alternativer Lebensformen
Aufgrund des strukturellen Wandels von sozialen Zusammenhängen ist die Familie längst nicht mehr das einzige Modell des Zusammenlebens. Von daher müssen Gleichgeschlechtliche-Lebensformen, Alleinerziehenden-Wohnprojekte und Selbstorganisierte-Gemeinschaften älterer Frauen akzeptiert, unterstützt und integriert werden.

5. Erhalt der Umwelt
Frauen wollen jetzt und in Zukunft in einer gesunden Umwelt leben. Schädliche Umwelt-einflüsse müssen zum Erhalt der Gesundheit aller weitestgehend reduziert werden. Dies gilt auch im Hinblick auf unsere Verantwortung gegenüber Kindern und allen nachkom-menden Generationen. Eine gesunde, ökologisch vernünftige regionale Versorgung mit Lebensmitteln ist zu forcieren. Zum sparsamen Umgang mit Energie und natürlichen Ressourcen soll angehalten werden. Die dabei anfallende Mehrarbeit muss zwischen Frauen und Männern gerecht verteilt werden.

6. Integration und multikulturelle Aspekte in der Gesellschaft fördern
Die Situation von Migranten und Migrantinnen soll verbessert werden. Deshalb soll sich Marburg für folgende Ziele einsetzen: Für die Förderung der Integration wird eine gemeinsame Lebensgestaltung von Deutschen und Migrantinnen unter Berücksichtigung der kulturellen Identität angestrebt. Rassistischen Tendenzen muss bereits im Ansatz entgegengewirkt werden.

7. Sicherheit
Frauen und Kinder müssen sich in der Öffentlichkeit und im privaten Raum ungehindert und frei bewegen können. Gewalt gegen Frauen und Kinder - speziell sexualisierte Gewalt - muß thematisiert werden. Es müssen dazu sowohl präventive als auch nachsorgende und schützende Maßnahmen für den familiären und öffentlichen Bereich angeboten und durchgeführt werden. Ziel muss sein, zu einer neuen gewaltfreien Kultur im Zusammenleben der Geschlechter zu finden.

8. Förderung der Gesundheit
Für den Erhalt der Gesundheit müssen in Marburg auch frauenspezifisch gesundheitsfördernde Maßnahmen und Initiativen gegründet und unterstützt werden. Frauenspezifische Projekte zur Förderung der Gesundheit, Prävention, Behandlung bei Krankheit, Nachsorge und in der medizinischen Forschung müssen umgehend und in Zukunft in gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Die Qualität der medizinischen Vor- und Nachsorge ist zu verbessern.

9. Solidarität mit den Frauen in allen Teilen der Welt - Nicht auf Kosten anderer leben
Der Diskriminierung und Ausbeutung von Frauen und Kindern in allen Teilen der Welt muss entgegengewirkt werden. Die Auswirkungen unseres Handelns hier auf ihre Lebenssituationen muss stärker reflektiert und im Handeln mit berücksichtigt werden. Kinderarbeit muss weltweit bekämpft werden. Frauen- und Kinderhandel müssen unterbunden, Sextourismus verboten und wirksam sanktioniert werden. Um Wege für eine selbstbestimmte Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Dingen zu eröffnen, ist eine alternative, sozial gerechte und regionale Ökonomie, die Selbstversorgungswirtschaft, zu diskutieren und über Möglichkeiten der Umsetzung nachzudenken.

Maßnahmen:

1. Gerechte Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit

2. Gerechte soziale Sicherheit für alle Menschen in allen Lebensphasen
3. Gleiche Chancen für alle
4. Gesellschaftliche Anerkennung alternativer Lebensformen
5. Erhalt der Umwelt
6. Integration und multikulturelle Aspekte in der Gesellschaft fördern
7. Sicherheit
8. Förderung der Gesundheit
9. Solidarität mit den Frauen in allen Teilen der Welt - Nicht auf Kosten anderer leben
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