Es gibt im Programmgebiet Soziale Stadt Marburg-Richtsberg eine lange Tradition der Gemeinwesenarbeit (u.a. Beteiligungsprozesse, soziale Dienstleistungen, BSF 1973 gegründet, Treffpunkt Richtsberg Arbeitsbeginn 1983, seit 2003 einheitliche Trägerschaft BSF e.V.). Dies bedeutet, dass MitarbeiterInnen und BewohnerInnen sich oft seit vielen Jahren kennen, dass bereits viele Projekte gelaufen sind und dass vielfältige Erfahrungen, z.B. in Bezug auf Beteiligung und Teilhabe, vorliegen.
Wir sind in Marburg also recht "eng an den Menschen", die im Stadtteil wohnen. Es gibt sowohl vielfältige und eingespielte Kommunikationsstränge, als auch immer wieder neue Bemühungen, über Maßnahmen der Sozialen Stadt einen Konsens aller Beteiligten herzustellen. Dabei haben wir von Verwaltungsseite gelernt, dass die Menschen, die von Maßnahmen konkret betroffen sind, ihren Konsens auch selbst aushandeln müssen.
Die Herstellung von "Nähe" zu den Menschen haben wir auch zur Richtschnur für die Projekte im Rahmen von Lokales Kapital für soziale Zwecke gemacht. Schwerpunktmäßig werden einzelne Menschen bzw. deren Zusammenschlüsse gefördert. Wir haben bisher eine Vielzahl von Menschen bei der Existenzgründung, sowie die Gründung von Kooperativen und mehrere Stadtteilvereinsprojekte gefördert.
In den anderen Projekten der Sozialen Stadt haben wir gelernt, nicht (mehr) zu entscheiden, was für Menschen richtig ist, dazu ein Projekt zu machen und zu versuchen, die Menschen zu überzeugen. Statt dessen suchen wir Menschen im Stadtteil mit Ideen und Engagement als Projektträger. Wir unterstützen und helfen jedes Projekt umzusetzen, welches den Menschen hilft und nicht gegen die Würde anderer Menschen verstößt.
Der entscheidende Fortschritt gelingt uns in dem Moment, in dem wir die Menschen, insbesondere die zugewanderten, nicht mehr ausschließlich als Notleidende und Bedürftige ansehen, sondern als Besitzende von sozialem und kulturellem Kapital mit Entwicklungspotenzialen, an denen gemeinsam angesetzt werden kann.
Dies entspricht der Auffassung von Lokales Kapital für soziale Zwecke und deshalb passt dieses Programm gut zu uns. Wir haben mit Lokales Kapital für soziale Zwecke in dem so wichtigen Bereich der Erhöhung von Beschäftigungschancen benachteiligter Menschen neue positive Anstöße und Erfahrungen bekommen, die sich auch auf die anderen "Soziale Stadt Projekte" positiv auswirken werden.