Michelchen
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Michelchen mit Pilgerfriedhof: St. Michaelskapelle heißt sie offiziell, aber die Marburger nennen sie liebevoll nur "Michelchen".
Die kleine gotische Kapelle wurde 1270 geweiht - also noch vor ihrer großen Schwester, der Elisabethkirche (1283). Bauherr war auch hier der Deutsche Orden.
Vermutlich spielte der Wunsch eine wichtige Rolle, den Pilgerfriedhof außerhalb der großen Baustelle der Elisabethkirche und der Ordensgebäude anzulegen.
Auch wenn die Pilgerströme nach Marburg bereits ab Ende des 13. Jahrhunderts erheblich nachließen, blieb der Friedhof weiterhin in Gebrauch. Ab 1530 wurden auch Marburger Bürger hier beigesetzt. Dies geschah auf Anordnung von Landgraf Philipp dem Großmütigen, der das Gelände 1527 gekauft hatte. Der städtische Friedhof um die Marienkirche war damals überfüllt.
Doch auch der Friedhof am Michelchen war bald voll belegt. Das eigene kleine Beinhaus (Kerner) reichte zur Lagerung der bei Neubelegung der Gräber exhumierten Gebeine deshalb kaum aus.

Die letzte Beisetzung fand 1888 statt, obwohl der Friedhof eigentlich bereits seit 1867 geschlossen war. Der älteste noch erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1566.
Die St. Michaelskapelle ist nicht für den Besucherverkehr geöffnet. Interessierte können aber jederzeit den alten Friedhof besuchen - heute ist er ein kleiner Park mit besonderer Atmosphäre. (kl)