Kilian
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Der Kilian ist Marburgs älteste Kirche - und seit fast 500 Jahren ist er überhaupt keine Kirche mehr.
Am Schuhmarkt steht das kleine Steingebäude mit dem Fachwerkaufsatz, dem man auf den ersten Blick zumindest von drei Seiten her sein hohes Alter gar nicht ansieht. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sowohl die Fassade umgebaut als auch der Dachbereich komplett verändert, so dass der romanische Baustil des etwa 1180 errichteten Gebäudes hinter diesen Umbauten optisch zurücktritt. Da der Kilian keinen Turm mehr besitzt, ist auch nicht sofort zu erkennen, dass er als Kirche erbaut wurde.
Nur an der Westseite, vom Rathaus her kommend, macht der große romanische Rundbogen des früheren Haupteingangs sofort auf sich aufmerksam und verrät dem Betrachter, dass er ein wirklich historisches Bauwerk vor sich hat. Heute fehlt allerdings die Treppe, durch die man früher in die Kirche gelangte. Der teilweise vermauerte und außerdem zum Fenster umfunktionierte Rundbogen wirkt daher nicht mehr wie ein Eingangstor.
Die dem Märtyrer St. Kilian geweihte Kirche gab es hier schon, bevor die noch sehr kleine Stadt Marburg 1227 auch eine eigenständige Pfarrei wurde. 1527 ließ Landgraf Philipp der Großmütige nach der Einführung der Reformation in Hessen zusammen mit den meisten anderen Kirchen und Klöstern aber auch den Kilian schließen und umwidmen. Lediglich die Marienkirche (Lutherische Pfarrkirche) blieb als Kirche in Gebrauch und wurde "die" evangelische Pfarr- und Universitätskirche für ganz Marburg. Eine Ausnahme bildete die Elisabethkirche, die nicht im Hoheitsbereich des Landgrafen lag.

Seine wechselvolle Geschichte machte den Kilian dann zunächst zur Zunftstube der Schuhmacher-Gilde, wodurch aus dem Kirchhof der "Schuhmarkt" wurde. So wird der Platz auch heute noch genannt.
Der Turm und ein Teil des Chores wurden abgerissen, um die 1552 schwer vom Hochwasser beschädigte Lahnbrücke (heute Weidenhäuser Brücke) wieder aufzubauen. Danach wurde der Kilian sogar als Schweinestall genutzt, bis dies 1567 ausdrücklich untersagt wurde.
Später war der Kilian unter anderem auch Schule, Waisenhaus, Polizei- und Gestapo-Quartier. Heute hat hier das Deutsche Grüne Kreuz (Gesundheitsförderung, Impfberatung u. ä.) seinen Sitz. (kl)