Kugelkirche
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Die kleine spätgotische Kugelkirche verdanken wir einer Reformationsbestrebung des ausgehenden 15. Jahrhunderts.
Etwa zwei Generationen vor dem großen Reformator Martin Luther entstand eine neue Bruderschaft von Mönchen und Laienbrüdern, die sich nicht in Klöstern, sondern in lockeren Konventen zusammenfanden und ihre Aufgabe besonders in der Erziehung der Jugend sahen.
Ein schlichter schwarzer Kapuzenumhang war das typische Kleidungsmerkmal der "Brüder vom gemeinsamen Leben". Diese auch in weiten Teilen der Bevölkerung verbreitete lange Kapuze als Kopfbedeckung wurde Gugel (auch Kogel oder Kugel) genannt. Nach ihr bezeichnete man die Brüder bald überall als "Kugelherren".
Sie gründeten in Marburg 1476 einen Konvent, begannen aber erst um 1515 mit dem Bau der Kugelkirche. 1517 wurde das Dach fertiggestellt und anschließend das beeindruckende Netzgewölbe (mit durchgesteckten Rippen) errichtet.

Die Kirche konnte aber vor der Reformation nicht vollendet werden. Es fehlten beispielsweise die Schlusssteine der Gewölbe. Das ist eine architektonische Besonderheit: Normalerweise würde ein Gewölbebogen ohne Schlussstein in sich zusammenstürzen. Hier stützen sich aber die einzelnen wabenförmigen Zellen des sehr flachen Gewölbenetzes gegenseitig ab, so dass sich das Gewölbe selbst trägt und eigentlich weder Rippen noch Schlusssteine für die Standsicherheit erforderlich sind.
Schon wenige Jahre nach der Einführung der Reformation in Hessen wurde die Brüdergemeinschaft der Kugelherren aufgelöst und die Kugelkirche zum Hörsaal und Disputierraum der Theologischen Fakultät der 1527 gegründeten Universität umfunktioniert.
Eine katholische Gemeinde gibt es in der Kugelkirche wieder seit 1827. (kl)
Öffnungszeiten: täglich von 9-18 Uhr, keine Besichtigung während der Gottesdienste.