Kalbstor
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Kalbstor: Marburgs einziges heute zugängliches mittelalterliches Stadttor diente nicht etwa der Anlieferung von Schlachtvieh, auch wenn der Name Kalbstor das vielleicht vermuten ließe.
Es ist vielmehr nach der ursprünglich für seine Bewachung zuständigen Ritterfamilie "von Kalb" benannt, deren Hof sich in der Straßengabelung hinter dem Tor befand.
Allerdings hat allein die Tatsache, dass Marburg eine gut befestigte kleine Stadt war, zur Abschreckung von Feinden bis ins ausgehende Mittelalter völlig ausgereicht. Man erlebte verhältnismäßig friedliche Zeiten.
1222 wurde Marburg erstmals als Stadt erwähnt. 1227 war das Städtchen dann auch eigenständige Pfarrei. Im Zuge einer Stadterweiterung um 1230/35 wurde auch das Kalbstor gebaut. Das von einer starken Mauer umgebene Städtchen Marburg erstreckte sich danach zwischen vier Stadttoren etwa halbkreisförmig um das Schloss herum. Die damit erreichten Stadtgrenzen blieben Marburg dann bis weit über das Mittelalter hinaus erhalten. Größere Stadterweiterungen erfolgten erst wieder ab dem 19. Jahrhundert.
Das Kalbstor erlangte allerdings nie große Bedeutung. Es wurde aus Sicherheitsgründen zu Beginn des dreißigjährigen Krieges (1618 bis1648) geschlossen und erst 1874 wieder geöffnet.

Im Bereich des Kalbstors sind auf beiden Seiten noch große Teile der alten Stadtmauer erhalten. Damit ist dieser Ort ganz besonders geeignet, den Relikten des mittelalterlichen Marburg nachzuspüren.
Autofahrern ist die Nutzung des engen Kalbstors nicht unbedingt zu empfehlen. Für Fußgänger und Radfahrer ist es dagegen bequem passierbar. (kl)