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Ratsinformation

Vorlage - VO/2507/2013  

Betreff: Antrag der Fraktion Marburger Linke betr. Gedenkfeierlichkeiten im belgischen Ort Dinant
Status:öffentlichVorlage-Art:Antrag der Fraktion Marburger Linke
Federführend:41 - Kultur Bearbeiter/-in: Wagner, Norbert
Beratungsfolge:
Magistrat Vorberatung
19.08.2013    Nichtöffentliche Sitzung des Magistrats      
Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Bäder Vorberatung
22.08.2013 
Öffentliche Sitzung des Schul- und Kulturausschusses ungeändert beschlossen   
Haupt- und Finanzausschuss Vorberatung
27.08.2013 
Öffentliche Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zurückgestellt   
Stadtverordnetenversammlung Entscheidung
30.08.2013 
Öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung der Universitätsstadt Marburg zurückgestellt   
27.09.2013 
Öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung der Universitätsstadt Marburg zurückgestellt   
25.07.2014 
Öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung der Universitätsstadt Marburg zurückgestellt   
26.09.2014 
Öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung der Universitätsstadt Marburg (offen)   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

Beschluss:

 

Die Universitätsstadt Marburg entsendet im Jahr 2014 eine Delegation in den belgischen Ort Dinant, um dort um Vergebung für das damals von Deutschen begangene Unrecht zu bitten.

 

 


Begründung:

Die im März 2013 im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung veröffentliche Studie zur Geschichte der „Marburger Jäger“, welche von der Geschichtswerkstatt erarbeitet wurde, hat zweifelsfrei festgestellt, dass auch „Marburger Jäger“ im August 1914 während der Eroberung des neutralen Belgiens an Kriegsverbrechen beteiligt waren.

Die von Deutschen begangenen Untaten vom August 1914 sind hierzulande über Jahrzehnte als Kriegsgräuel abgetan und geleugnet worden. Die Verbrechen blieben ungesühnt.

Ingesamt kamen bei den Übergriffen der deutschen Truppen rund 6000 belgische Zivilisten – Männer, Frauen und Kinder – ums Leben. Über ein Zehntel der Opfer starben in Dinant, vor und bei Einnahme des Übergangs über die Maas, als das Jäger-Bataillon Nr. 11 der 32. Infanterie-Division des XII. Armeekorps aus Sachsen unterstellt war.

Beim Hauptangriff am 23. August trieben die Angreifer kleinere und größere Gruppen von Zivilisten zusammen und erschossen insgesamt 312 Personen. Bei der größten Geiselerschießung fanden als „Abschreckungsmaßnahme“ 137 Männer, Kinder und Frauen den Tod. Auch setzten die Angreifer die ganze Stadt in Brand, die geplündert und großteils zerstört wurde. Die von Deutschen verübten Massaker in Dinant kosteten 674 Menschen – nahezu einem Zehntel der Einwohner – das Leben.

Der Anteil der Marburger Jäger an diesen Kriegsverbrechen lässt sich nur annähernd bestimmen. Die Hauptverantwortung lag bei den sächsischen Truppen. Gleichwohl wäre es hundert Jahre nach den Geschehnissen, die 2014 in Dinant mit Gedenkfeiern schmerzlich in Erinnerung gerufen werden, angebracht, dass die Stadt Marburg sich zu ihrer Verantwortung bekennt.

Zwar hat der damalige Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Walter Kolbow, sich 2001 in Dinant im Namen der deutschen Regierung mit dem Satz entschuldigt: „Ich möchte Sie alle bitten, das von Deutschen in Ihrem Land damals begangene Unrecht zu vergeben.“ Nachhaltige Versöhnungsinitiativen auf kommunaler und regionaler Ebene haben sich daraus allerdings nicht ergeben.

Die Stadt Marburg, dessen elftes Jäger-Bataillon an den Erschießungen beteiligt war, sollte daher in Dinant darum nachsuchen, an den Gedenkfeierlichkeiten teilnehmen zu dürfen, um ihrerseits um Vergebung des Unrechts zu bitten und die Toten zu betrauern.

 

 

Halise Adsan

Tanja Bauder-Wöhr

Henning Köster-Sollwedel

Jan Schalauske

 

 

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