Universitätstadt Marburg

?

Hauptnavigation der Seite

Kartenanwendung der Stadt Marburg

Seiteninhalt

Inhaltsbereich der Seite

Ratsinformation

Vorlage - VO/4935/2016  

Betreff: Antrag der Fraktion Marburger Linke betr.: Aufsuchende Jugendarbeit am Richtsberg erhalten
Status:öffentlichVorlage-Art:Fraktionsantrag
Verfasser:Sprenger, Lothar
Federführend:09 - Unterstützung kommunaler Gremien Bearbeiter/-in: Sprenger, Lothar
Beratungsfolge:
Magistrat Stellungnahme
04.07.2016    Nichtöffentliche Sitzung des Magistrats      
Ausschuss für Soziales, Jugend und Gleichstellung Vorberatung
06.07.2016 
Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Soziales, Jugend und Gleichstellung geändert beschlossen   
Stadtverordnetenversammlung Entscheidung
15.07.2016 
Öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung der Universitätsstadt Marburg geändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen, sich unbedingt für den Erhalt der aufsuchenden Jugendarbeit am Richtsberg durch „Richtsberg Mobil“ einzusetzen, dass bedeutet auch die Bereitstellung der finanziellen Mittel für die 2 Mitarbeiter_innen.

 


Begründung:

 

Es ist in den vier Jahren gelungen, durch nachhaltige Konzeption ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, dieses unbedingt erhalten bleiben muss.

 

Der Ortsbeirat Richtsberg hat in seiner letzten Sitzung ebenfalls dieses Anliegen aufgegriffen und sich einstimmig für den Erhalt der aufsuchenden Jugendarbeit „Richtsberg Mobil“ ausgesprochen.

 

Seit mehreren Jahrzehnten besteht ein kontinuierliches Angebot in der Jugendarbeit durch die BSF als anerkannter freier Träger in der Jugendhilfe nicht allein mit festen Angeboten in den beiden Häusern am oberen wie unteren Richtsberg. Seit vielen Jahren bietet die BSF mit einem Auto einmal wöchentlich an der Richtsberg-Gesamtschule ein mobiles Angebot an. allerdings mit insgesamt nur 6 Stundenchentlich. Die BSF selbst hat dabei stets gesehen, dass diese Stunden nicht ausreichen und dass man nicht zu Fuß in der Kürze der Zeit am gesamten Richtsberg sein kann. Daher hat sie nach einer ausbauenden Lösung Ausschau gehalten. Durch die gute Vernetzung im Stadtteil haben die ev. Kirchengemeinde und die BSF ein gemeinsames Konzept erarbeitet und eine Förderung der EKKW erhalten.

 

Das Richtsberg Mobil ergänzt auf sehr gute Weise die verschiedenen Angebote und verknüpft diese.

 

Nach dem Fortfall der Förderung ist es finanziell nicht mehr möglich, das Richtsberg Mobil (RBM) mit einer hauptamtlichen Kraft zu begleiten. Von Seiten der BSF kann hier lediglich noch mit geringfügiger Entlohnung beschäftigt werden. Effektiver war zuvor natürlich die Einbindung in das Hauptjugendbereichsteam. Das würde sicherlich auch gerne wieder von der BSF gewährleisten werden, um die Verknüpfung zu dem großen Arbeitsfeld der Jugendarbeit zu sichern.

 

Die beste Begründung ist aus unserer Sicht die erfolgreiche und nachhaltige Arbeit mit den Jugendlichen, welche in den letzten Jahren praktiziert wurde.

Vier Jahre lang war die Finanzierung des „Richtsberg Mobils“ gesichert. Zukünftig weist der Etat eine Deckungslücke in Höhe von etwa € 16.000 auf. Der Grund dafür ist, dass die, Startfinanzierung „Aktion Diakonische Gemeinde“ der Evangelischen Kirche Kurhessen Waldeck (EKKW) im vergangenen Jahr ausgelaufen ist.

 

 

Im Folgenden zitieren wir aus Projektmappe Richtsberg Mobil:

 

Projektkontext

In Marburg ist der Richtsberg ein Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf. Er ist der größte und kinderreichster Stadtteil. An der Spitze in Marburg steht der Richtsberg auch im Hinblick auf Haushalte, die ALG-II beziehen oder ihr geringes Einkommen durch staatliche Leistungen aufstocken müssen.

Über zwei Drittel der Bewohner/innen haben einen Migrationshintergrund. Mindestens 40% der Bewohner/innen sind Aus- und Übersiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Insgesamt sind etwa 90 Nationalitäten am Richtsberg vertreten. Seit zwei Jahren werden versrkt geflüchtete Menschen insbesondere Familien im Stadtteil untergebracht.

In der Vergangenheit fiel auf, dass es eine größere Anzahl von Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft und Religion gibt, die sich durch die vorhandenen Angebote nicht oder kaum ansprechen lassen. Gerade auf dem Oberen Richtsberg mit zwei Schulen, Gemeinschaftseinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und anderen häufig frequentierten Orten suchen sie sich ihren Platz. Dort fallen sie zum Teil durch ihr Verhalten, Alkohol- und teilweise auch Drogenkonsum auf. Viele der Jugendlichen haben wenig bis keine Unterstützung aus den Elternhäusern, die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten leben von ALG-II, Schulkarrieren sind häufig von Schulwechseln und -abbrüchen gekennzeichnet und die beruflichen Perspektiven sind mangels elterlicher Unterstützung eher schlecht.

Gerade das Miteinander und die Inklusion von Flüchtlingen und Einheimischen sind in den letzten Monaten zu einer Herausforderung geworden. Zum einen benötigen die neuen Bewohner des Stadtteils Unterstützung hinsichtlich Sprache, der Anbindung an sozialräumliche Strukturen und der Suche nach schulischen und beruflichen Perspektiven, zum anderen bedarf es der Entwicklung einer Willkommensstruktur und dem Thematisieren von Vorurteilen unter denjenigen, die schon lange im Stadtteil wohnen.

 

Projektidee & Projektziele

In Stadtteilöffentlichkeit und lokaler Politik wurde seit Jahren gefordert, diesen Heraus- und Anforderungen adäquat zu begegnen. Hier setzt das Projekt „Richtsberg Mobil“, das von der Evangelischen Kirchengemeinde Am Richtsberg mit dem Projektpartnerrgerinitiative für Soziale Fragen e.V. (BSF) ins Leben gerufen wurde, seit Januar 2012 an. Die Kooperation von kirchlichem und freiem Träger der Jugendhilfe ermöglicht so innovative sozialräumliche und netzwerkbasierte Gemeinwohlorientierung. Ein vom Projektpartner BSF angeschafftes Fahrzeug ist gemeinsam mit Jugendlichen zu einem „mobilen Wohnzimmer“ umgebaut worden und wird seither von ihnen „Richtsberg Mobil“ genannt. Jugendliche, die sich durch stationäre und feste Angebote nicht ansprechen lassen, werden durch Pädagogen und Pädagoginnen an ihren Treffpunkten aufgesucht. Anstelle der herkömmlichen „Komm-Strukturen“ in der offenen und kirchlichen Jugendarbeit werden im „Richtsberg Mobil“ bewusst neue Wege hin zu „Geh-Strukturen“ etabliert. Das Ziel des Projektes ist, den Kindern und Jugendlichen zum einen niedrigschwellige Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten und eine positive Freizeitgestaltung zu ebnen, zum anderen durch die offene Struktur des Projektes langjährige Kontakte aufzubauen und die Kinder und Jugendlichen durch Gesprächsangebote und Hilfestellungen zu unterstützen und zu begleiten. So werden sowohl einheimische Jugendliche als auch schon länger im Stadtteil lebende Migranten sowie kürzlich zugezogene geflüchtete Kinder und Jugendliche angesprochen, unterstützt und miteinander in Kontakt gebracht, sodass nachhaltige Inklusion im Sozialraum Richtsberg ermöglicht und das Gemeinwohl gestärkt wird.

Das „Richtsberg Mobil dient als mobiler Jugendraum, ermöglicht die Zugänge zu mehr Jugendlichen des Stadtteils und macht gleichzeitig auf andere Angebote für Jugendliche beider Projektpartner aufmerksam.

Bei Bedarf kann in unsere Beratungs- und Hilfsangebote (z.B. Sucht- und Drogenberatung, Kirchliche Allgemeine Sozial- und Lebensberatung des Diakonischen Werks Oberhessen, Schuldnerberatung und Sozialberatung für Jugendliche der BSF) und die fachlich passenden Angebote anderer Träger weitervermittelt und gegebenenfalls begleitet werden. In regelmäßigen Abständen werden mit den Jugendlichen „Events“ geplant und durchgeführt. Diese niedrigschwellige Präsenz im Stadtteil ist oftmals die erste Kontaktmöglichkeit für neu zugezogene und geflüchtete Kinder und Jugendliche.

Ein wichtiger Projektbestandteil ist die hohe Verortung und Akzeptanz im Stadtteil sowie Generationen übergreifende Begegnung, die sich unter anderem in der hohen Spendenbereitschaft älterer Menschen, Kontaktebenen zwischen Jung und Alt sowie umfassender Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit (Infobriefe und Informationsveranstaltungen, Mitarbeit in Stadtteilgremien u.a.) äert.

 

Praktische Umsetzung & Projektinhalt

r die praktische Umsetzung des Projektes sind eine Mitarbeiterin (BSF) und ein Mitarbeiter (Kirchengemeinde) angestellt, die von zwei Praktikantinnen sowie einer Honorarkraft ergänzt werden, um Mädchen und Jungen bedarfsgerechte Ansprache zu bieten. Ganzjährig ist das „Richtsberg Mobil“ dreimal in der Woche im Stadtteil unterwegs. Das angeschaffte Fahrzeug ermöglicht einen flexiblen Standortwechsel, orientiert an den jeweiligen Treffpunkten der Jugendlichen. Diese werden aktiv in ihren Lebensräumen aufgesucht und durch niedrigschwellige Aktivitäten und Angebote angesprochen (spielerische und sportliche Aktivitäten etc.). Die Beschäftigungs- und Beteiligungsmöglichkeiten orientieren sich dabei an den Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe. Die Angebote sind offen gehalten und nehmen das aktuelle Befinden und aktuelle Themen der Jugendlichen in den Fokus.

Das „Richtsberg Mobil“ bietet die Gelegenheit für den Kontakt zwischen unterschiedlichen Altersgruppen und Kulturen. Die Jugendlichen beteiligen sich aktiv im Projekt, bringen selbst Beschäftigungsideen ein und gestalten mit anstatt zu konsumieren. Diese Struktur des Angebots ermöglicht den Projektmitarbeitern, Jugendlichen sowohl individuell als auch in der Gruppengemeinschaft Zeit, Beachtung, Aufmerksamkeit und Hilfestellung entgegenzubringen. Die Kooperation zwischen den beiden Projektpartnern, Evangelische Kirche am Richtsberg und Bürgerinitiative für Soziale Fragen e.V.,  als anerkannte und im Stadtteil verortete Organisationen, führt zu einem Miteinander für den Stadtteil. Durch diese Vernetzung werden Jugendliche nachhaltig sowohl im Projekt durch langfristige Begleitung in Schule und Ausbildung als auch in den bestehenden Angeboten beider Träger bedarfsgerecht gefördert. Gerade in der aufsuchenden Jugendarbeit, die sich an gesellschaftlich ausgegrenzte und in der Selbstwahrnehmung als entbehrlich empfundene Kinder und Jugendliche richtet, ist die langfristige Begleitung und Pflege von Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Jugendlichen sowie Jugendlichen untereinander von hoher Bedeutung. Hierauf wird im Projekt besonderer Wert gelegt, um tiefgreifende Inklusion auf verschiedenen Ebenen zu gewährleisten.

Dazu trägt auch ein Begleitausschuss bei, der die Projektumsetzung in regelmäßigen Abständen plant und evaluiert. Dieser setzt sich aus Vertreter/innen des Kirchenvorstandes, der BSF und Jugendlichen aus dem Projekt zusammen, sodass sowohl benachteiligte Jugendliche als auch ehrenamtlich engagierte ältere Menschen selbst Verantwortung übernehmen, die Erfahrung der eigenen Selbstwirksamkeit machen und Generationen übergreifende Partizipation ermöglicht wird.

 

 

Umfang der Arbeit

Das „Richtsberg Mobil“ ist dreimal wöchentlich, montags und mittwochs (15.30-19.30 Uhr) und freitags (19.00-21.00 Uhr), an etwa acht Standorten im Stadtteil präsent. In den Ferien und an ausgewählten Wochenenden finden besondere Aktionen mit Jugendlichen statt (Medienprojekt, Graffiti-Workshop, HipHop Konzerte, Teilnahme am Ferienprogramm etc.).

 

Statistik

·      Gesamtanzahl Jugendliche 540

·      80% mit Migrationshintergrund

·      Jugendliche aus über 35 Nationen

·      Durchschnittlich 18 Jugendliche pro Tag

·      Im Jahr 2015 konnten über 100 Jugendliche neu erreicht werden

 

http://richtsberg.ekmr.de/fileadmin/user_upload/RICHTSBERG/Redakteur/_NEWS/Thomas/Pdf/Projektmappe_Richtsberg_Mobil__2016_04__01.pdf

 

 

 

Tanja Bauder-WöhrRoland Böhm

Elisabeth KulaJan Schalauske

 

 

 


 

 

Mobile Navigation schliessen