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Rathaus
Das Marburger Rathaus prägt seit über einem halben Jahrtausend das Stadtbild. Erbaut zwischen 1512 und 1527, entstand es in einer turbulenten Zeit, geprägt von Bauernkriegen und der bevorstehenden Reformation.
Baugeschichte: Vom Spätgotischen bis zur Renaissance
Das Gebäude vereint die Baustile der Spätgotik und Renaissance. Klaus von Wetzlar leitete den Bau bis 1512, bevor Hans aus Lich, vermutlich sein Sohn, 1513 die Aufgabe übernahm. Eine markante Erweiterung erfolgte 1581/82 durch Eberhard Baldewein mit dem sechseckigen Treppenturm in der Fassadenmitte und dem kunstvollen Uhrgiebel.
Bemerkenswert ist die Rathausuhr wegen ihrer beweglichen Figuren und der symbolischen Darstellung von Zeit und Gerechtigkeit. Die Justitia-Figur etwa ist entgegen der Konvention mit unverbundenen Augen dargestellt, möglicherweise als Symbol für die Gerechtigkeit des Magistrats.
Rathaussaal: Kunst, Geschichte und Rechtsprechung
Im Inneren beherbergt der historische Rathaussaal Carl Bantzers umstrittenes Monumentalgemälde "Der Lauf des Lebens" von 1930. Es stellt den Lebensweg eines Menschen symbolisch dar und spiegelt die konservativen Werte der Stadt in den 1920er Jahren wider. Eine Wandmalerei rekonstruiert die Renaissancefresken von Thomas von Basel aus dem Jahr 1551, die eine Gerichtsszene darstellt und an die frühere Funktion des Rathauses als Ort der Rechtsprechung erinnert. Heute dient der Saal für besondere Anlässe wie Empfänge, Ehrungen und Trauungen.
Historisches Zentrum und Geburtsort Hessens
Der vorgelagerte Marktplatz bildet das historische Zentrum der Oberstadt. Hier soll 1248 Sophie von Brabant ihren Sohn Heinrich zum Landgrafen ausgerufen haben - ein Ereignis, das als Gründungsakt des Landes Hessen gilt. Eine 1989 errichtete Bronzestatue von Ivan Theimer links vom Rathaus erinnert an dieses geschichtsträchtige Moment.
© Stefanie Ingwersen, Stadt Marburg
Kulturelle Schätze rund um das Rathaus
Der Marktbrunnen von Rudolf Breidenbach (1951) zeigt den heiligen Georg als Drachentöter. Das Steinerne Haus, das älteste erhaltene Steinhaus Marburgs (1319–1323), ist ein imposanter Bruchsteinbau mit Staffelgiebel. Das Haus der Romantik beherbergt kulturelle Veranstaltungen, während das Fachwerkhaus Markt 23 eine stadtgeschichtliche Ausstellung präsentiert.
Rathaus, noch heute Sitz der Verwaltungsspitze, und Marktplatz verbinden historisches Erbe mit lebendigem Stadtleben und sind ein Muss für Marburg Gäste.

