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Beratung für alle
Das Prüfverfahren „Beratung für alle“ unterstützt Beratungsstellen dabei, ihre Angebote für alle Menschen zugänglicher zu machen. Dies betrifft besonders die Themen Inklusion und Geschlechtersensibilität.
© Stefanie Ingwersen, Stadt Marburg
Zugänge erleichtern
Beratungsstellen sind da, wenn Menschen konkrete Unterstützung und Begleitung brauchen. Doch nicht alle Menschen können Beratungsstellen gleich gut nutzen. Individuelle und strukturelle Benachteiligungen wegen des Geschlechts sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Frauen und weiblich gelesene Personen, aber auch queere Menschen sind davon in einem großen Ausmaß betroffen. Dies gilt in Hinblick auf das Betroffensein von Gewalt, auf den Zugang zu Vermögen, auf die Teilhabe am Erwerbsleben, bei der Verteilung von Care Arbeit oder auch auf die politische Beteiligung und Mitsprache. Frauen mit Behinderungen erfahren besonders häufig Diskriminierung, Ausgrenzung und vor allem Gewalt, denn sie werden mehrfach diskriminiert: in Bezug auf ihre Geschlechtszugehörigkeit und Geschlechtsidentität auf der einen Seite und in Bezug auf ihre Behinderung auf der anderen Seite.
Auch in der Beratung können gesellschaftliche Benachteiligungen den
© Dennis Siepmann, i.A.d. Stadt Marburg Zugang zu Aufklärung, Unterstützung und Beratung, zum Beispiel für Frauen mit einer Behinderung, stark erschweren. Barrieren können zum Beispiel auftreten bei der Kontaktaufnahme, bei der Zugänglichkeit oder in der Verständigung. Manchmal werden Personen mit einer Behinderung mit ihren Interessen und Wünschen nicht ernst genommen.
Die Stadt Marburg hat zusammen mit dem Arbeitskreis „Frauen und Behinderung“ einen Leitfaden samt Anhang und Prüfverfahren entwickelt, um Beratungsstellen dabei zu unterstützen, inklusiver und stärker geschlechtersensibel zu beraten.
- Leitfaden zur inklusiven und geschlechtersensiblen Beratung herunterladen
- Anhang zum Leitfaden „Beratung für alle Leitfaden zur inklusiven und geschlechtersensiblen Beratung“ herunterladen
Im November 2024 ist aus einem von dem Referat für Gleichberechtigung, Vielfalt und Antidiskriminierung organisierten Netzwerktreffen das Forum „Beratung für alle“ entstanden. Dort tauschen sich die Teilnehmenden aus den beiden Durchgängen aus, organisieren Fortbildungen zusammen und unterstützen sich gegenseitig dabei, geschlechtersensibler und inklusiver zu arbeiten. Das erste offizielle Treffen hat im Mai 2025 stattgefunden.
Das Prüfverfahren
In dem Prüfverfahren werden die Beratungsstellen geschult, beraten und dabei begleitet, kleine oder große Maßnahmen für mehr Inklusion und Geschlechtersensibilität umzusetzen. Ein Leitfaden fasst zusammen, welche Punkte für eine inklusive und geschlechtersensible Beratung zu beachten sind. Teil des Prüfverfahrens ist auch das Ausfüllen eines Fragebogens, um die Entwicklung der teilnehmenden Beratungsstellen zu dokumentieren.
Das Prüfverfahren wurde von September 2023 bis Mai 2024 zum ersten Mal durchgeführt. Daran haben folgende sieben Marburger Beratungsstellen teilgenommen:
- Beratungs- und Schulungszentrum der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V.
- Service- und Beratungsstelle für ein inklusives Studium (SBS) der Philipps-Universität Marburg
- Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt von Frauen helfen Frauen e. V. Marburg
- Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB)
- Frauennotruf Marburg e. V.
- Marburger Verein für Selbstbestimmung und Betreuung (S.u.B.)
- Integrationsfachdienst Marburg-Biedenkopf
Von Oktober 2024 bis März 2025 hat der zweite Durchlauf des Prüfverfahrens „Beratung für alle“ mit fünf weiteren Beratungsstellen stattgefunden. Daran teilgenommen haben:
- AG Freizeit e.V.
- Agentur für Arbeit Marburg
- Beratungsstelle Marburg des fib e.V.
- Initiative für Kinder-, Jugend- und Gemeinwesenarbeit e.V.
- Sozial- und Schuldnerberatung des Bewohnernetzwerks für soziale Fragen (BSF)
Umgesetzte Projekte
Folgende Projekte wurden bisher von den teilnehmenden Beratungsstellen umgesetzt:
- Team-Fortbildungen zu Geschlechtersensibilität, zu Gewalt gegen LGBT*IQ und zu Leichter Sprache
- Barrierefreie Gestaltung der Internetseite, zum Beispiel durch Einsatz von Gebärdensprachvideos, hörbaren Wegbeschreibungen oder Einfacher Sprache
- Hinweis auf Webseiten für genderneutrale Toiletten und Toiletten für Menschen mit Behinderung
- Überprüfung von Räumlichkeiten auf die Nutzbarkeit mit einem Rollstuhl
- Neugestaltung von Informationsmaterialien, sodass sie barrierefrei sind und Diversität widerspiegeln
- Schilder für Klingel, Türen, Webmarker und Türöffner in Brailleschrift (Blindenschrift)
- Einführung eines Gesprächskreises für Frauen mit Behinderung
- Einrichtung eines Beratungszeitraums nur für Frauen
- stärkere Berücksichtigung von geschlechtlicher Vielfalt, zum Beispiel in der Ansprache von Ratsuchenden oder eigenen Signaturen
- Einrichtung eines Arbeitsplatzes für eine blinde Kollegin
Ablauf des Prüfverfahrens
- Zwei halbtägige Schulungen zum Thema „Hürden abbauen, Barrieren verkleinern – Auf dem Weg zu einer inklusiven und geschlechtersensiblen Beratung“, durchgeführt vom Frauennotruf Marburg e.V. und dem Hessischen Koordinationsbüro für Frauen mit Behinderung. e.V.
- Ausfüllen eines Fragebogens, der den aktuellen Stand zum Thema Inklusion und Geschlechtersensibilität der Beratungsstelle abfragt.
- Ausfüllen eines Fragebogens, der den aktuellen Stand zum Thema Inklusion und Geschlechtersensibilität der Beratungsstelle abfragt.
- Erstes Beratungsgespräch mit der Vertreterin des Hessischen Koordinationsbüros für Frauen mit Behinderung (online oder telefonisch)
- Ausfüllen einer Selbstverpflichtungserklärung: Hier werden Maßnahmen notiert, die während der Projektlaufzeit realistisch umgesetzt werden können. Dafür kann zusätzlich der Leitfaden zur inklusiven und geschlechtersensiblen Beratung hinzugezogen werden.
- Auf dem Dokumentationsbogen festhalten, wie die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden konnten
- Zweites Beratungsgespräch mit der Vertreterin des Hessischen Koordinationsbüros für Frauen mit Behinderung (online oder telefonisch)
- Abschlussveranstaltung mit Übergabe der Teilnahmebescheinigungen
Zum Projekthintergrund
Das Projekt beruht auf Ergebnissen der Studie „Lebenssituation und Teilhabe von Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigungen in Marburg“. Die Durchführung der Studie war ein Kooperationsprojekt zwischen der Evangelischen Hochschule Darmstadt und dem Gleichberechtigungsreferat der Universitätsstadt Marburg. Das Gleichberechtigungsreferat setzt die daraus resultierenden Empfehlungen seit 2021 um. Ein Baustein ist dieses Projekt.
Das Prüfverfahren ist eine Maßnahme im Dritten Marburger Aktionsplan für die EU-Charta und im Zweiten Marburger Aktionsplan zur Stärkung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Das Prüfverfahren wurde von einer Arbeitsgruppe des AK Frauen und Behinderung entwickelt.
Ansprechperson
| Dr. Christine Amend-Wegmann | |
| FachbereichsleitungAmt / Bereich Fachbereich 7 - Gleichstellung, Vielfalt und Erwachsenenbildung (Fachbereichsleitung) Rathaus Markt 1 35037 Marburg Telefon: 06421 201-8107 Telefax: 06421 201-1760 E-Mail: gleichberechtigungsreferat@marburg-stadt.deE-Mail: Christine.Amend-Wegmann@marburg-stadt.de | |
| Laura Griese | |
| Amt / Bereich Fachdienst 16 - Referat für Gleichberechtigung, Vielfalt und Antidiskriminierung Rathaus Markt 1 35037 Marburg Telefon: 06421 201-1610 Telefax: 06421 201-1760 E-Mail: gleichberechtigungsreferat@marburg-stadt.deE-Mail: Laura.Griese@marburg-stadt.de Aufgaben: | |
Dokumente
| Leitfaden Beratung für Alle (289 kB) | |
| Anhang Leitfaden Beratung für Alle (120 kB) |