© Georg Kronenberg
Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe
Seit über zehn Jahren arbeitet eine Fachgruppe an der Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe in Marburg. Grundlage ist ein umfassendes Konzept, das 2015 politisch beschlossen wurde (VO/3897/2015). Die städtische Sozialplanung befindet sich hierbei in einem engen Austausch mit dem Fachdienst Wohnungswesen und vielen weiteren regionalen Partner*innen.
Zu den zentralen Maßnahmen in diesem Bereich zählt ...
- ... eine kontinuierliche Anpassung der Hilfsangebote.
- ... die Entwicklung neuer Wohnformen mit sozialpädagogischer Begleitung.
Neue Wege in der Obdachlosenhilfe
Die Stadt Marburg setzt verstärkt auf eine differenzierte und unterstützende Obdachlosenhilfe. Besonders wichtig ist die Vielfalt der Angebote, um auf die individuelle Situation der Betroffenen eingehen zu können:
-
„Probewohnen“: Ein inzwischen etabliertes Wohn- und Unterstützungsangebot, das obdachlosen Menschen den Weg in ein eigenes Mietverhältnis ermöglicht.
-
Personengruppen- und geschlechtsspezifische Angebote für obdachlose Frauen, Paare und Familien: Ein eigener Wohnort bietet hier geschützten Raum und Unterstützung. Ein Angebot für Männer ist in Planung (siehe Abschnitt "Das Marburger VinziDorf".
© Universitätsstadt Marburg
Das Marburger "VinziDorf"
Im Jahr 2021 hat das Stadtparlament Marburg den Grundstein für das Projekt "VinziDorf" gelegt. In mehreren Schritten wurde anschließend geprüft, ob und wie die Idee vor Ort umgesetzt werden kann. Die Stadt Marburg und die "GeWoBau" (Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH Marburg-Lahn) haben das Vorhaben gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Wohnungslosenhilfe“ bewertet, positiv eingeschätzt und schließlich zur Realisierung empfohlen.
Das VinziDorf richtet sich an alleinstehende obdachlose Männer, die derzeit keine realistische Aussicht auf regulären Wohnraum oder weiterführende Hilfsangebote wie „Betreutes Wohnen“ haben. Im Unterschied zu anderen Angeboten – etwa dem erfolgreichen Modell „Probewohnen“ – richtet sich das VinziDorf gezielt an Menschen, für die herkömmliche Wege im Hilfesystem aktuell nicht zugänglich sind.
Geplant sind 15 kleine Wohneinheiten in Form von Tiny Houses, ergänzt durch ein gemeinschaftlich genutztes Haus. Ziel ist es, durch ein einfaches, aber würdevolles Wohnangebot neue Stabilität und Perspektiven zu ermöglichen. Die Umsetzung soll von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis getragen werden. Mehr zur Umsetzung des Vorhabens erfahren Sie im Artikel "VinziDorf entsteht in Cappeler Straße" und in den Unterlagen zum "Planungsstand Juli 2025".
Die Idee für das VinziDorfbasiert auf erfolgreichen Projekten in Österreich, initiiert durch die Vinzenzgemeinschaft um Pfarrer Wolfgang Pucher. Alle Marburger*innen sind eingeladen, sich im Rahmen eines Engagement-Bündnisses einzubringen – sei es durch ideelle Unterstützung, durch Mithilfe beim Bau oder bei der Gestaltung des Gemeinschaftsbereichs und Gartens. Weitere Informationen zu diesem Themenbereich gibt es unter: www.marburgmachtmit.de/VinziDorf
Runder Tisch und AG zur "Wohnungslosenhilfe"
Menschen in Wohnungsnotlagen benötigen mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Um Betroffenen bestmöglich zu helfen, setzt Marburg auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, sozialen Trägern und Wohnungswirtschaft.
Um das bestehende System der Wohnungslosenhilfe kontinuierlich weiterzuentwickeln, arbeiten in Marburg verschiedene Akteure eng zusammen. Der Runde Tisch "Wohnungslosenhilfe" bringt zahlreiche Organisationen und Institutionen zusammen, um bestehende Angebote zu koordinieren und neue Hilfsmaßnahmen zu entwickeln. Ziel ist es, Menschen dauerhaft zu integrieren und präventive Maßnahmen auszubauen. Die Sozialplanung der Universitätsstadt Marburg leitet und koordiniert diesen Prozess aktiv.
Die Arbeitsgruppe des Runden Tisches „Wohnungslosenhilfe“ begleitet die Umsetzung des städtischen Wohnungslosenhilfekonzepts. Das Gesamtkonzept wurde im Februar 2015 gemeinsam mit allen beteiligten Trägern und Einrichtungen beraten und verabschiedet. Die politischen Gremien der Universitätsstadt Marburg haben die Umsetzung einstimmig beschlossen. Auf dieser Grundlage wurden im Anschluss Detailfragen gemeinsam mit den Beteiligten geklärt und das Konzept weiter konkretisiert.
Die Arbeitsgruppe hat das Konzept seither kontinuierlich weiterentwickelt und setzt es schrittweise um. Wichtige Bausteine dabei sind unter anderem:
- Eine Kooperationsvereinbarung für das im Jahr 2019 eingeführte Angebot „Probewohnen“,
- sowie das 2022 geschaffene Wohnangebot für obdachlose Frauen, Paare und Familien.
- Zur sozialpädagogischen Begleitung wurde im Mai 2022 eine neue Stelle bei der Stadt Marburg eingerichtet. In den städtischen Unterkünften für obdachlose Menschen ist das pädagogische Unterstützungsangebot seither Standard.
- Des Weiteren wurden regelmäßig stattfindende „Fallkonferenzen“ eingeführt.
- Konzepte, wie das zum Marburger „VinziDorf werden beraten und die Umsetzung wird begleitet.
Die Geschäftsführung der Arbeitsgruppe sowie die Koordination des Gesamtprozesses liegen bei der städtischen Sozialplanerin Monique Meier. Protokolle und weiterführende Unterlagen zum Prozess finden Sie am Ende dieser Seite.
Beteiligte Einrichtungen der AG „Wohnungslosenhilfe“ (Stand: März 2025)
- AIDS-Hilfe Marburg e.V.
- Arbeitskreis Soziale Brennpunkte Marburg e.V.
- BI Sozialpsychiatrie e.V.
- Caritasverband Marburg e.V.
- Diakonisches Werk Marburg-Biedenkopf
- Eingliederungshilfe Marburg e.V.
- Frauen helfen Frauen e.V.
- GeWoBau – Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH
- GWH – Wohnungsgesellschaft mbH Hessen
- Hephata Hessisches Diakoniezentrum e.V.
- Soziale Hilfe Marburg e.V.
- Stadtverwaltung der Universitätsstadt Marburg
- Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte / Wohnstadt
Mitglieder der AG Wohnungslosenhilfe stellen das Angebot "Probewohnen für ehemals Obdachlose" vor: o.v.l.: Dirk Weber (GWH), Kenneth Verhaal (päd. Mitarbeiter), Gabi Mösbauer (FD Wohnungswesen), Gertrud Vogt-Euen (GeWoBau, Peter Schmidt (FBL Arbeit, Soziales, Wohnen), u.v.l.: Dr. Thomas Spies (Oberbürgermeister), Monique Meier (Sozialplanung), Matthias Knoche (GeWoBau), Hendrik Hoekstra (Wohnstadt)© Universitätsstadt Marburg
Runder Tisch und AG "Preiswerter Wohnraum"
Seit 2013 fördert der Magistrat den regelmäßigen Austausch zum Thema bezahlbares Wohnen. Rund 150 Vertreter*innen aus Wohnungswirtschaft, Sozialwesen, Universität, Mieterverbänden und Zivilgesellschaft entwickeln gemeinsam Lösungen.
Seit Anfang 2013 fördert der Magistrat der Universitätsstadt Marburg den Austausch der regionalen Wohnungsmarktakteure durch die Organisation eines Runden Tisches zur Thematik "Preiswerter Wohnraum".
Der Runde Tisch umfasst rund 150 Mitglieder, darunter öffentliche Wohnungsunternehmen, Wohnungsgenossenschaften, das Studierendenwerk, die Philipps-Universität, Mieterverbände sowie verschiedene soziale Einrichtungen, Beiräte und engagierte Bürger*innen.
Im Rahmen der Arbeit des runden Tisches wurde eine Wohnungsmarktanalyse erstellt und das Wohnraumversorgungskonzept entwickelt. Dieses Konzept wird aktuell kontinuierlich umgesetzt. Der Runde Tisch tagt in der Umsetzungsphase nach Bedarf. Die Themen der letzte Sitzung waren der Marburger Mietspiegel und das städtische Geo-Informationsportal.
Die Arbeitsgruppe des Runden Tisches „Preiswerter Wohnraum“ hat in den Jahren 2013 bis Ende 2014 die Erstellung der Wohnungsmarktanalyse aktiv begleitet und gesteuert. Aufbauend auf den Ergebnissen dieser Analyse und den Handlungsempfehlungen des Instituts InWIS arbeitete die Lenkungsgruppe im Anschluss maßgeblich an der Entwicklung des Marburger Wohnraumversorgungskonzepts mit.
In themenspezifischen Unterarbeitsgruppen wurden dabei zentrale Aspekte wie
- Quotierung,
- gemeinschaftliches Wohnen,
- Barrierefreiheit
- sowie benachteiligte Zielgruppen
intensiv bearbeitet und weiterentwickelt.
Das Wohnraumversorgungskonzept der Universitätsstadt Marburg befindet sich aktuell in der kontinuierlichen Umsetzung. Protokolle und weiterführende Unterlagen des Runden Tisches „Preiswerter Wohnraum“ stehen am Ende dieser Seite zum Download bereit.
Auf Initiative des Runden Tisch „Preiswerter Wohnraum“ ist die Koordinierungsstelle „Gemeinschaftlich Wohnen“ beim FD Stadtplanung geschaffen worden.
Begriffserklärung
InWIS: Das Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (InWIS) ist ein wissenschaftliches Beratungsinstitut, das Kommunen und Wohnungsunternehmen bei der Analyse von Wohnungsmärkten und der Entwicklung von Konzepten unterstützt.
Quotierung: Mit Quotierung ist die verbindliche Festlegung von Anteilen für bestimmte Wohnformen oder Zielgruppen bei Neubauprojekten gemeint – zum Beispiel ein bestimmter Prozentsatz an gefördertem Wohnraum.
Gemeinschaftliches Wohnen: Diese Wohnform zielt darauf ab, gemeinschaftlich orientierte Lebens- und Wohnmodelle zu fördern – etwa in Form von Wohnprojekten mit geteilten Flächen und solidarischem Miteinander.
Marburger Wohnungsmarktanalyse
Die Analyse wurde 2014 vom Institut InWIS im Auftrag der Stadt erstellt. Ziel war es, den lokalen Wohnungsmarkt systematisch zu erfassen, zukünftige Entwicklungen abzuschätzen und Handlungsempfehlungen zu geben.
Die umfassende Untersuchung des Marburger Wohnungsmarktes durch die Kommunalberatung InWIS (Beratung und Forschung GmbH) wurde im Auftrag der Stadt Marburg durchgeführt und Ende 2014 abgeschlossen. Das Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung analysierte den lokalen Wohnungsmarkt, erstellte Prognosen und leitete daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab.
Die Ergebnisse wurden am 1. Oktober 2014 im Rahmen des Runden Tisches „Preiswerter Wohnraum“ öffentlich vorgestellt und diskutiert. Die Veranstaltung knüpfte an die Präsentationen der Zwischenergebnisse vom 4. Dezember 2013 und 3. Juni 2014 an. Eine eigens eingesetzte Lenkungsgruppe des Runden Tisches begleitete den gesamten Analyseprozess aktiv und koordinierte die inhaltliche Ausrichtung.
Der Abschlussbericht zur Wohnungsmarktanalyse wurde 2015 von InWIS vorgelegt und im März desselben Jahres den politischen Gremien der Stadt Marburg öffentlich präsentiert.
Auf Basis dieser Analyse und der Empfehlungen wurde im Laufe des Jahres 2015 gemeinsam mit den Mitgliedern des Runden Tisches „Preiswerter Wohnraum“ ein Wohnraumversorgungskonzept erarbeitet. Dieses wird seither schrittweise in die Praxis umgesetzt.
Alle relevanten Unterlagen und Berichte finden Sie am Ende dieser Seite.