Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (4.v.l.), Sven Wardenburg (l.) von der Stabstelle Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung, Statistik und Jan-Bernd Röllmann (3.v.r) vom Stadtmarketing stellten gemeinsam die Konzepte zur Entwicklung der Nordstadt und des Marburger Einzelhandels vor. Mit dabei waren weitere Vertreter*innen vom Stadtmarketing, der MSLT, Gewerbetreibende sowie weitere Akteur*innen.© Stefanie Ingwersen, Stadt Marburg
„Marburg ist die kleinste und schönste Metropole der Welt. Gleichwohl sehen wir auch noch Verbesserungs- und Verschönerungspotenzial an der einen oder anderen Stelle. So zum Beispiel im Bereich des Bahnhofs. Der Haupt- und Busbahnhof ist ein zentraler Ankunftsort in Marburg, der sowohl für Pendler*innen als auch für Reisende als eine Art Eingangsbereich in unsere schöne Stadt dient. Und eben diesen Eingangsbereich möchten wir gerne weiterentwickeln“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.
Um die Aufenthaltsqualität sowie das Einkaufserlebnis im Umfeld des Hauptbahnhofs über die Bahnhofstraße und die Elisabethstraße zu verbessern, hat die Stadt Marburg gemeinsam mit dem Stadtmarketing Marburg e.V., der Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH (MSLT) sowie Akteur*innen aus Handel, Gastronomie und Anwohnen der Nordstadt ein Konzept entwickelt. Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum (HMWVW) unterstützt die Umsetzung im Rahmen des Landesprogramms „Zukunft Innenstadt“ mit Fördermitteln in Höhe von 200.000 Euro. Das Projekt läuft bis Ende 2028.
Stadtgebiet zwischen Bahnhof und Oberstadt im Fokus
So sind beispielsweise Begrünungselemente vorgesehen, um den städtischen Raum zwischen Bahnhof und Oberstadt zu verschönern. Auch die Lichtgestaltung spielt eine Rolle. Beides zusammen soll eine klare Wegführung, mehr Aufenthaltsqualität sowie ein höheres Sicherheitsgefühl schaffen. Zudem ist eine digitale Info-Steele am Bahnhofsvorplatz geplant, die unter anderem Veranstaltungen anzeigt. Auch ein Programm für Leerstandsmanagement – ähnlich dem VielRAUM-Projekt in der Oberstadt – ist angedacht. Ein „Pop-Up Lab“ soll durch Veranstaltungen und weiteren Angeboten neues Leben in die nördliche Innenstadt bringen.
Daneben bietet das Stadtmarketing dem inhaber*innengeführten Einzelhandel Unterstützung beim Social-Media-Marketing an. „Wir haben einige Händler*innen in Marburg, die die Social-Media-Plattformen bereits nutzen, um auf sich und ihre Waren aufmerksam zu machen. Doch es gibt ebenso viele, die noch nicht davon Gebrauch machen. Wir möchten den Händler*innen zur Seite stehen und zeigen, was bereits mit einfachen Mitteln möglich ist und womit man anfangen kann“, erklärt Jan-Bernd Röllmann, Geschäftsführer vom Stadtmarketing.
Einzelhandelskonzept legt Grundstein für Innenstadtentwicklung
Einen wichtigen Grundstein für die Entwicklung des Projekts im Rahmen „Zukunft Innenstadt“ hat das Einzelhandelskonzept der Stadt Marburg gelegt. Das Einzelhandelskonzept hat die CIMA Beratung und Management GmbH im Auftrag der Stadt erstellt und wurde im November 2025 von der Stadtverordnetenversammlung als städtebauliches Entwicklungskonzept beschlossen. Das Konzept wurde unter Beteiligung von Verbänden, Händler*innen, Gastronom*innen und zentralen Verwaltungseinheiten erstellt. So fanden in 2025 verschiedene Beteiligungsformate statt. Die Kosten für das Einzelhandelskonzept belaufen sich auf 60.000 Euro (brutto).
Der Einzelhandel prägt das Stadtbild Marburgs. In der Innenstadt finden Bürger*innen Handel, Dienstleistungen, Kultur und Gastronomie und somit einen Raum für Begegnung. Der Einzelhandel sichert die Versorgung und trägt zugleich entscheidend zur Attraktivität und zum Erscheinungsbild der Innenstadt wie auch der Stadtteile und Fachmarktzentren bei. Der Universitätsstadt Marburg ist es gelungen – insbesondere durch die Aktivitäten von Oberstadtbüro und Stadtmarketing e.V. – die Einzelhandelssituation gerade im Bereich der Oberstadt in den vergangenen Jahren zu verbessern. Dies spiegelt sich auch in den deutlich unterdurchschnittlichen Leerstandsquoten im gesamten Innenstadtbereich wider. Zudem verfügt Marburg im Vergleich zu anderen Kommunen über einen guten Angebotsmix.
Gleichzeitig befindet sich der Einzelhandel im Wandel. Neue Konsumgewohnheiten, der zunehmende Onlinehandel und demografische Veränderungen stellen Städte vor neue Herausforderungen. Mit dem Beschluss des Standort- und Sortimentskonzept passt die Universitätsstadt Marburg ihre Entwicklungsziele an diese veränderten Rahmenbedingungen des Einzelhandels an und schützt andererseits den bestehenden Handel vor Ansiedlungen von innenstadtrelevanten Sortimenten im Außenbereich. „Ein kommunales Einzelhandelskonzept bietet eine verlässliche Grundlage, um die gesamtstädtische Entwicklung des Handels gezielt zu steuern, Chancen zu nutzen und die Versorgungsstrukturen nachhaltig zu stärken. So trägt es nicht nur dazu bei, Marburg als Handelsstandort noch attraktiver zu machen, sondern auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen und der Stärkung der weichen Standortfaktoren“, so OB Spies.
Marburg als Marke ausbauen
Das Konzept hat das Marburger Stadtgebiet in acht verschiedene Bereiche gegliedert, deren Charakteristik entweder noch gezielter herauszuarbeiten ist oder anregt, vorhandene Eigenschaften weiter auszubauen. So könne der Steinweg mit Kreativmarkt sowie weiteren kulturellen Angeboten zu einem Kreativquartier heranwachsen. Der Firmaneiplatz mit der Elisabethkirche bietet nicht nur Tourist*innen eine historische Sehenswürdigkeit. Der Platz wird bereits durch Wochenmärkte und andere Veranstaltungen bespielt und biete Potenzial, sich zu einem bekannten Veranstaltungsort im Nordviertel zu etablieren. Der Rudolphsplatz als Verbindungsort könne beispielsweise durch mehr Sitzgelegenheiten an Aufenthaltsqualität gewinnen. „Stadtgebiete zu charakterisieren und Angebote zu bündeln, macht auch für Zielgruppen nachvollziehbarer, was sie an welchem Ort in der Stadt erwarten können und wo sie das finden, was sie suchen. Im Umkehrschluss bietet es Händler*innen eine Orientierung, an welchen Standorten sie mit ihrer Zielgruppe rechnen können“, so Jan-Bernd Röllmann. Auch die Nahversorgung in den Stadtteilen spielt eine wichtige Rolle im Konzept.
„Der nächste Schritt, den wir gehen möchten, ist es, einen regelmäßig tagenden ‚Einzelhandelsbeirat‘ einzurichten“, sagt OB Spies. Mitglieder des Beirats sollten Vertreter*innen aus Stadtverwaltung, Politik und allen Handelslagen sein. „Daneben enthält das Konzept viele weitere Maßnahmen und Ideen, die es nun zunächst zu prüfen gilt“, so Spies weiter.
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