„Die Stadt Marburg freut sich sehr, in diesem Jahr Gastgeberin der Kommunal Konferenz sein zu dürfen“, begrüßte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies die Gäste. „Ich selbst lebe schon seit mehr als 60 Jahren in dieser Stadt und entdecke selbst immer noch Neues. Nicht zuletzt, da Marburg eine historische Stadt ist, die von Vielfalt, Innovation und Weltoffenheit geprägt ist.“ Marburg habe viele erfolgreiche Projekte auf den Weg gebracht, die nicht nur die Innenstadt beleben und den Einzelhandel stärken, sondern auch die Aufenthaltsqualität für die Menschen verbesserten. „Wir entwickeln ein Life-Science-Ökosystem – eine Zukunftsbranche erster Ordnung. Stärken Start-Ups und holen neue Akteur*innen heran“, so der OB. Dabei arbeite die Stadt eng mit der Philipps-Universität Marburg und dem Pharmastandort zusammen.
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies freute sich, die dritte Kommunal Konferenz als Gastgeberstadt in Marburg begrüßen zu dürfen.© Georg Kronenberg
Die Kommunal Konferenz, die federführend der German Council of Shopping Places organisiert, fand bereits zum dritten Mal statt – in diesem Jahr in Marburg. Unter dem Titel „Wie geht Zukunft Stadt – Resilient, Digital und Klimaneutral?“ haben sich die Teilnehmenden mit vier Schwerpunktthemen aus verschiedenen Perspektiven auseinandergesetzt:
- „Die resiliente Stadt – Klima, Katastrophen und Kosten – was muss und was geht?“
- „Die digitale Stadt – Daten, Disruption und Daseinsvorsorge“
- „Die mobile Stadt – Menschen, Maschinen und Möglichkeiten“
- „Die bürgerliche Stadt – Begehrlichkeiten, Begrenzungen und Baugesetze“.
Harald Ortner, Geschäftsführer der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH und Vorstandsmitglied des German Council of Shopping Places, eröffnete die Konferenz im Lokschuppen. „Widerstandsfähigkeit ist die Grund-DNA von Städten und Kommunen – diese zu stärken, war schon immer unser Job. Ich freue mich daher auf diese Konferenz, die schon zuletzt in Bochum einen wertvollen Austausch und tolle Impulse ermöglichte. In den nächsten zwei Tagen wollen wir uns mit der Zukunft der Städte beschäftigen – mit spannenden Vorträgen aus der Praxis“, so Ortner.
Rund 60 Teilnehmende aus ganz Deutschland sind zur Konferenz nach Marburg gekommen, um sich auszutauschen und zu vernetzen. Expert*innen aus Politik, Wissenschaft, Handel und Immobilienbranche haben dabei aus ihrem Arbeitsalltag und von ihren Projekten berichtet. Auch die Stadt Marburg stellte als Gastgeberin ihre Best-Practice-Beispiele aus der Wirtschaftsförderung der Universitätsstadt vor.
Mit Erfolg gegen Leerstand: Vielfältige Oberstadt
So sprach Jana Schönemann, Leiterin der Stabstelle Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung und Statistik der Stadt Marburg, von der Transformation der Marburger Innenstadt. Dabei ging es um Herausforderungen, Lösungsansätze und Erfolge, wie im Beispiel des Marburger Projektes „VielRAUM“. Das Projekt haben die Stadt Marburg und das Stadtmarketing Marburg 2022 gemeinsam ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist es, Leerstand zu reduzieren, die Innenstadt zu beleben und den Einzelhandel zu fördern.
Dabei mieten Stadt und Stadtmarketing leere Ladenflächen und stellen diese Künstler*innen*, (Kunst-)Handwerker*innen, Initiativen und Gründer*innen zur Verfügung. Diese können die Flächen für Ausstellungen, Workshops oder zur Erprobung eigener Geschäftsideen nutzen. Das Projekt erfreut sich großer Beliebtheit und einer hohen Nachfrage. Dank des kreativen Konzeptes gibt es in der Marburger Oberstadt nahezu keinen Leerstand mehr.
Jana Schönemann, Leiterin der Stabstell Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung und Statistik der Stadt Marburg, sprach über Marburger Erfolgsprojekte und die Transformation der Marburger Innenstadt.© Georg Kronenberg
Auch die Einrichtung des Oberstadtbüros, Beteiligungsformate und die intensive Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing, der MSLT, Gewerbetreibenden, Eigentümer*innen und Aktiven vor Ort haben zu einer maßgeblichen Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Oberstadt geführt.
„Wir wollen die Innenstadt zusammen verbessern und das wirklich gemeinsam angehen. Kampagnen wie ‚Kauf lokal‘ funktionieren durch die gute Zusammenarbeit und machen Bürger*innen noch einmal darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, den Handel vor Ort zu unterstützen, wenn die Innenstadt lebendig bleiben soll“, so Schönemann.
Auch die Möglichkeit, sich konsumfrei – also ohne Geld ausgeben zu müssen – in der Innenstadt aufhalten zu können, beispielsweise durch öffentliche Sitzmöglichkeiten, seien essentiell für die Attraktivität. Mehr Infos dazu gibt es unter www.marburg.de/wirtschaft.
Daten smart erfasst
Dr. Martin Graffenberger von der Wirtschaftsförderung stellte Smart-City-Ansätze der Stadt Marburg vor. Wie viele Personen und Fahrzeuge durchqueren die Oberstadt und an welchen Tagen und Uhrzeiten? Welchen Einfluss haben Veranstaltungen oder verkehrliche Maßnahmen auf die Frequenz? Die Antworten auf diese Fragen soll die Frequenzmessung liefern. „Dazu wird an ausgewählten Standorten ein intelligentes Kamera-System installiert, das unter anderem zwischen Personen, Radfahrenden, Autos und Lieferverkehr unterscheiden kann. Diese Daten bieten eine wertvolle Planungsgrundlage für die Stadtverwaltung“, erklärte Graffenberger.
Aufgeteilt in zwei Gruppen haben die Teilnehmenden während eines Rundgangs durch die Marburger Innenstadt direkte Einblicke in die Projekte der Stadt Marburg und der ansässigen Gewerbetreibenden gewonnen.© Georg Kronenberg
Die Möglichkeiten von Smart-City-Anwendungen gehen jedoch noch weiter. So ist dank des LoRaWAN-Netzes (Long-Range-Wide-Area-Network) auch eine Art Baum-Monitoring möglich. Dabei werden zum Beispiel die Bodenfeuchte, Bodenleitfähigkeit und Bodentemperatur erfasst. So können Bewässerung und Nährstoffgabe besser gesteuert und somit effizienter werden. Parksensoren zeigen an, welche Behindertenparkplätze belegt oder frei sind und Umweltdaten wie Lufttemperatur und -feuchtigkeit geben Aufschluss für weitere Planungen im Sinne der Klimafolgenanpassung und Hitzevorsorge. Mehr Infos dazu gibt es unter www.marburg.de/digitales.
Aufgeteilt in zwei Gruppen haben die Teilnehmenden während eines Rundgangs durch die Marburger Innenstadt direkte Einblicke in die Projekte der Stadt und der ansässigen Gewerbetreibenden gewonnen. Neben Gesprächen mit Nutzer*innen und ehemaligen Nutzer*innen des VielRAUM-Konzepts gab es Informationen zu Aktionen des Oberstadtbüros wie dem After-Work oder Geo-Caching im Schaufenster. Die Gruppe erfuhr während des Rundgangs zudem mehr über das Schlossbergcenter, die Geschichte des Traditionskaufhauses Ahrens und der Kooperation mit CSL Plasma.
In zwei Gruppen erfuhren die Teilnehmenden nicht nur etwas über die Geschichte der Universitätsstadt Marburg, sondern auch über aktuelle Projekte der Stadt Marburg und der ansässigen Gewerbetreibehnden.© Stefanie Ingwersen, Stadt Marburg
Mit dem Kanal „MarburgLiebe“ stellten Lea Sophie Michel und Luzie Marie Hegele vom Stadtmarketing ihr Konzept für positives Stadtmarketing auf Social Media vor. „Die Strategie ist es, bei der Betreuung der Social-Media-Kanäle wie Instagram und TikTok neben den obligatorischen Inhalten auf witzigen Content zu setzen und eine interaktive Community aufzubauen. Bewegtbilder, Handyaufnahmen der User*innen, Straßen-Umfragen, helle und farbenfrohe Inhalte statt Hochglanz-Look vermitteln ein buntes Stadtbild. ‚Hey Marburg‘ lautet fröhlich der Slogan und holt die Nutzer*innen binnen Sekunden ab“, berichtete Michel. Formate des Vereins wie „Laden-Lieblinge“ und „52 things to do in Marburg“ binden lokale Geschäftsleute ein, haben neben Unterhaltungs- auch Informationswert und führten die Menschen von „Online" ins „Offline". „Knapp acht Millionen Views auf den Instagram-Reels in den vergangenen 90 Tagen sprechen für sich“, so Michel.
Dass nicht nur Marburg einiges zu bieten hat, zeigten die anderen Expert*innen. Die Smart-City Bochum berichtete von dem städtischen Serviceportal als 24/7-Dienstleistungsplattform und die Stadt Ahaus gewährte Einblicke in das vollkommen digitalisierte Hotel, das abgesehen von Reinigungskräften komplett ohne Personal funktioniert. Die Uni Augsburg sprach über die Möglichkeiten von „Beschleunigten Genehmigungsentscheidungen durch KI“. Weitere Impulse kamen aus der Podiumsdiskussion und dem Vortrag zur Prävention gegen Cyber-Angriffe.
Mehr zur Kommunal Konferenz findet sich unter www.gcsp.de.
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