© Kartendienst: Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinfo
Entlang der sogenannten Entwicklungsachse „Ab in den Süden“ soll vom Südviertel über den Südbahnhof und die Frauenbergstraße bis zur Beltershäuser Straße unter Beteiligung von Bürger*innen ein neues und lebenswerteres Stadtgebiet entstehen, das den gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen gerecht wird. Das ganze Gebiet ist in mehrere Bauabschnitte und Bebauungsplan-Verfahren unterteilt.
Wie sich speziell das Temmler-Areal vom bisherigen Gewerbestandort Temmlerstraße, Johann-Konrad-Schäfer-Straße, Frauenbergstraße und Cappeler Straße entwickeln soll und welche Ideen der Bürger*innen eingeflossen sind, das waren Themen der Bürgerversammlung. Zur „Vorstellung des städtebaulichen Entwurfs für das Temmler-Areal“ hatte Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Elke Neuwohner eingeladen.
Laut Berechnungen des Regierungspräsidiums werden bis zum Jahr 2035 in Marburg 3.000 zusätzliche Wohnungen benötigt, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und erklärte: „Eine der Flächen, die sich dafür anbieten, ist das Temmler-Areal. Dieses Gebiet in der Innenstadt ist gut mit dem Rad und Öffentlichem Personennahverkehr zu erreichen, es liegt in einer Talsenke und muss nicht mehr extra versiegelt werden.“
Stadtrat Dr. Michael Kopatz ergänzte: „Dieses Projekt zeigt sehr deutlich, dass wir wirklich ernsthaft dabei sind, den Mehrbedarf an Wohnungen zu decken und nicht leichtfertig auf einer grünen Wiese bauen.“ Er wies auch darauf hin, dass man mit der Umsetzung des Entwurfs Geduld haben müsse. Es handele sich um eine sehr langfristige Planung und es müssten noch viele offene Fragen geklärt werden. Bis alle Projekte umgesetzt sind, vergehen mindestens zehn Jahre.
Ziel ist es, ein umweltgerechtes und sozial ausgewogenes Quartier zu entwickeln. Um dies zu verwirklichen, fließen in die Planungen unter anderem eine nachhaltige Flächennutzung mit Grün- und Freizeitflächen sowie die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ein, erklärte Karsten Dittmar, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen.
Was bislang geschah
An der Ausarbeitung des städtebaulichen Entwurfs hatten sich rund 60 Marburger Bürger*innen beteiligt: Am 20. April 2024 brachten sie in der Planungswerkstatt ihre Ideen, Anregungen und Fragen ein, um das Temmler-Areal zu einem neuen und lebenswerten Stadtgebiet mitzugestalten. Nachdem das Planungsbüro drei städtebauliche Varianten zur Gestaltung des Areals im April 2024 vorgestellt hatte, haben die Bürger*innen in Arbeitsgruppen Fragen zu unterschiedlichen Themen bearbeitet: zu Verkehrs- und Wegeplanung, Grün- und Freiflächen, Gestaltung und Funktion des öffentlichen Raums, Bauen, Gebäude-Nutzung und Mobilität.
Die Anregungen und Ideen wurden dokumentiert und ihre Umsetzbarkeit geprüft. Die Ergebnisse der Planungswerkstadt flossen in den städtebaulichen Entwurf ein. Den Entwurf erarbeitete das Kasseler Planungsbüro „ebene4“ im Auftrag der Universitätsstadt Marburg. Federführend stellte Michael Linker die sogenannte Vorzugsvariante detailliert vor.
Der städtebauliche Entwurf
Leitmotiv ist eine effiziente Neuerschließung des Gebietes. Das bestehende Wohnquartier um den Südbahnhof soll von unnötigem Durchgangsverkehr entlastet werden. Verbunden damit ist auch ein Teilrückbau der Temmlerstraße etwa ab Höhe des Getränkemarktes bis zur Johann-Konrad-Schäfer-Straße. Im Zuge dieses Teilrückbaus soll außerdem das Ende der Temmlerstraße etwa am Getränkemarkt an die Cappeler Straße angeschlossen werden. Denn der südliche Teil der Frauenbergstraße ab der Johann-Konrad-Schäfer-Straße soll künftig nur für Bus, Rad und Fuß benutzbar sein im Sinne der Verkehrsberuhigung für künftige Anwohner*innen.
Zum Wohnen sollen offene Wohnhöfe mit verschiedenen Nutzungen der Freianlagen entstehen – eingebunden in Nachbarschaftsplätze, Grünflächen und Regenwasser-Rückhalteflächen. Die vier- bis fünfgeschossige Wohnbebauung soll voraussichtlich insgesamt 480 Wohneinheiten auf dem Temmler-Areal und dem Bauabschnitt Franz-Tuczek-Weg/Cappeler Straße/Frauenbergstraße – der Fläche am bisherigen Standort der 3U Holding AG – beinhalten.
© Planungsbüro ebene4 Statistisch werde mit 1,9 Personen pro Wohneinheit gerechnet, erklärte Michael Linker – demzufolge könnten 800 bis 1.000 Menschen auf diesen beiden Arealen wohnen. Vorgesehen sind verschiedene Wohnmodelle, darunter geförderter Wohnungsbau und Mehrgenerationen-Wohntypen.
Im südlichen Teil des Temmler-Areals sind vorwiegend verbesserte Bedingungen für den bestehenden Lebensmittelmarkt sowie eine Quartiersgarage geplant: Diese soll bis zu 576 Stellplätze für Mitarbeiter*innen der Sparkasse und Anwohner*innen bereitstellen. Für die Infrastruktur ist eine Kindertagesstätte geplant. Insbesondere im südlichen Bereich des Areals könne über Stadtteilangebote nachgedacht werden – zum Beispiel Café, Kultur, Ärztehaus, Bäckerei und ähnliches. Im süd-westlichen Teil ist Platz für einen Wochenmarkt eingeplant.
Das Areal umschließt auch private Flächen – auf Nachfragen der Anwesenden sprach OB Spies von etwa 50 Prozent des Areals, das in städtischer Hand ist. Michael Linker erklärte: „Wir sind darauf angewiesen, dass die Eigentümer*innen mitziehen.“ Weiter stellte er klar: „Das ist noch nicht der Bauplan, sondern das Grundgerüst für die Erschließung. Teilweise ist bei diesem Entwurf hier und da auch Spielraum.“
Nach der Präsentation gab es Gelegenheit zur Diskussion und zur Beantwortung offener Fragen. Mit der Bürgerversammlung ist der Beteiligungsprozess für den städtebaulichen Entwurf abgeschlossen. Es folgt die Aktualisierung des Aufstellungsbeschlusses. Am formellen Bebauungsplanverfahren können sich die Bürger*innen dann erneut beteiligen. Geplant ist dieser nächste Schritt für November 2025.
Weitere Informationen zur Entwicklung des Temmler-Areals finden Sie hier: https://marburgmachtmit.de/discuss/page/archiv
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