Neben Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (r.), Bürgermeisterin Nadine Bernshausen (10.v.r.), Stadträtin Kirsten Dinnebier (6.v.r.) und der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Torsten Büchner (7.v.r.) gedachten weitere Menschen aus Stadt und Landkreis den deportierten Sinti.© Julia Frauenstein, i.A.d. Stadt Marburg
„Gedenktage sind Tage der Erinnerung und des Wissens, was passieren konnte und passieren kann“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Gedenkveranstaltung. Wer aus der Geschichte lernen wolle, müsse sich fragen, wie alles begonnen habe. „Es ist wichtig zu erinnern und zu ermahnen“, betonte er. Zugleich machte Spies deutlich, dass das Gedenken keine rein rückblickende Aufgabe sei: „Dass wir heute gedenken, heißt nicht, dass es vorbei ist. Wir müssen wachsam bleiben.“ Es bestehe die Verpflichtung, nicht zu vergessen und alles dafür zu tun, dass sich die Verbrechen nicht wiederholen.
Am 23. März 1943 wurden 78 Sinti aus Marburg und Umgebung vom Bahnhof aus deportiert. Die meisten von ihnen wurden später Opfer des nationalsozialistischen Völkermords, dem europaweit mehr als 500.000 Sinti und Roma zum Opfer fielen. Ihr Schicksal steht exemplarisch für die systematische Verfolgung und Ermordung von Minderheiten durch das NS-Regime.
Für den Hessischen Landesverband sprach der stellvertretende Geschäftsführer Rinaldo Strauß. Er betonte, dass Gedenken mehr sein müsse als „ein Eintrag im Kalender“. Es gehe darum, die lokale Geschichte der Menschen weiterzuerzählen und sichtbar zu machen. „Gedenken und Widerstand sind kein stilles Ritual“, sagte Strauß.
Die Kranzniederlegung fand an der Gedenktafel am ehemaligen Landratsamt in der Barfüßerstraße statt. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Bürgermeisterin Nadine Bernshausen, Stadträtin Kirsten Dinnebier und der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Torsten Büchner legten den Kranz an der Gedenktafel nieder. Zuvor wurden die Namen der deportierten Menschen von Antonin Bau, stellvertretender Vorsitzender des KiJuPa Marburg, verlesen. Es soll eine Erinnerung daran sein, dass sich hinter der Zahl von 78 Opfern individuelle Lebensgeschichten verbergen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen.
Deportierte Sinti aus Marburg und dem Landkreis
Den Kranz zum Gedenken an die deportierten Sinti legten Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Bürgermeisterin Nadine Bernshausen, Stadträtin Kirsten Dinnebier und der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Torsten Büchner an der Gedenktafel nieder.© Julia Frauenstein, i.A.d. Stadt MarburgAdolf Braun (4 Jahre alt), Albert Braun (6 Jahre alt), Alfred Braun (1 Jahr alt), Alwine Braun (43 Jahre alt), Brigitte Braun (10 Jahre alt), Gertrud Braun (11 Jahre alt), Gisela Braun (13 Jahre alt), Margarete Braun (15 Jahre alt), Marianne Braun (17 Jahre alt), Max Braun (18 Jahre alt), Bernhardine Einacker (52 Jahre alt), Emma Einacker (25 Jahre alt), Adolf Kreutz (30 Jahre alt), Anna Kreutz (10 Jahre alt), Anna Kreutz (15 Jahre alt), Anni Kreutz (5 Jahre alt), Antonia Kreutz (40 Jahre alt), Arnold Kreutz (22 Jahre alt), Christine Josefine Kreutz (51 Jahre alt), Dora Kreutz (8 Jahre alt), Dorothea Kreutz (19 Jahre alt), Elisabeth Kreutz (13 Jahre alt), Hermann Kreutz (19 Jahre alt), Josefine Kreutz (11 Jahre alt), Julius Kreutz (27 Jahre alt), Karl Kreutz (17 Jahre alt), Konrad Kreutz (45 Jahre alt), Laubmann Kreutz (21 Jahre alt), Margarethe Kreutz (13 Jahre alt), Martha Kreutz (9 Jahre alt), Mathias Kreutz (43 Jahre alt), Mathilde Kreutz (67 Jahre alt), Theodor Kreutz (12 Jahre alt), Alwine Reinhardt (14 Jahre alt), Erwin Reinhardt (2 Monate alt), Helene Schäfer (32 Jahre alt), Magdalene Schäfer (6 Jahre alt), Renate Schäfer (8 Jahre alt), Amanda Schanne (13 Jahre alt), Maria Schanne (49 Jahre alt), Robert Schanne (12 Jahre alt), Frieda Steinbach (32 Jahre alt), Julius Steinbach (4 Jahre alt), Marianne Steinbach (9 Jahre alt), Siegfried Steinbach (7 Jahre alt), Hildegard Straub (16 Jahre alt), Adam Strauß (21 Jahre alt), Agnes Strauß (12 Jahre alt), Brigitte Strauß (2 Jahre alt), Elfriede Strauß (24 Jahre alt), Elise Strauß (50 Jahre alt), Ewald Strauß (48 Jahre alt), Heinz Strauß (17 Jahre alt), Heinz Strauß (4 Monate alt), Julius Strauß (18 Jahre alt), Salamande Strauß (15 Jahre alt), Alwine Weiss (54 Jahre alt), Willy Weiss (21 Jahre alt), Anna Winter (22 Jahre alt), Elisabeth Winter (9 Jahre alt), Friedrich Winter (3 Jahre alt), Georg Winter (9 Jahre alt), Gertrud Winter (2 Jahre alt), Hans Winter (7 Jahre alt), Johanna Winter (10 Jahre alt), Klara Winter (7 Monate alt), Richard Winter (3 Jahre alt), Rosa Winter (35 Jahre alt).
Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung gab es noch die Möglichkeit zu einem persönlichen Austausch im Foyer des Historischen Saals im Marburger Rathaus.
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