Auf einer großen Karte im Forum der Richtsberg Gesamtschule haben die Teilnehmenden Ideen für Gebiete und Räume im Stadtteil gesammelt. Visualisierungen, die mit kleinen Bausteinen erstellt wurden, wurden dort ebenfalls platziert.© Stefanie Ingwersen, Stadt Marburg
„Der Richtsberg ist ein Stadtteil, der wunderschön, bunt und lebendig ist und viele Chancen für Entwicklung bietet. Genau daran möchten wir heute arbeiten: wie wir die Menschen mehr zusammenbringen, damit Marburgs größter Stadtteil noch schöner und lebenswerter wird. Und dafür ist die Perspektive der Bürger*innen unverzichtbar, damit wir wissen, was von den Menschen im Stadtteil gewünscht und was gebraucht wird“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.
Für die Gestaltung und Entwicklung des Richtsbergs gibt es finanzielle Unterstützung vom Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum im Rahmen der Städtebauförderung „Sozialer Zusammenhalt“ (ehemals „Soziale Stadt“). Die Fördersumme beträgt 108.000 Euro. Bevor erste städtebauliche Maßnahmen starten, erarbeitet die Stadt gemeinsam mit dem Stadtplanungsbüro „ProjektStadt“ und den Richtberger*innen ein Integriertes Städtebauentwicklungskonzept, kurz ISEK. Dafür hat die Stadt Marburg die Bewohner*innen zur Auftaktveranstaltung vom „Forum Richtsberg 2035“ eingeladen, einem Beteiligungs- und Planungsprozess, der zeigen soll, wohin sich der Stadtteil in den kommenden zehn Jahren entwickeln kann.
Mehr Grün, mehr Barrierefreiheit, mehr Zusammensein
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies betonte beim Auftakt zum „Forum Richtsberg 2035“ die Bedeutung der Beteiligung.© Stefanie Ingwersen, Stadt MarburgRund 80 Personen haben am Auftakt in der Richtsberg Gesamtschule teilgenommen. Dort hatten sie Gelegenheit, Wünsche und Ideen für ihren Stadtteil einzubringen. Die Richtsberger*innen wünschen sich vor allem mehr Begrünung sowie Aufenthalts- und Sitzmöglichkeiten im Stadtteil. Auch Trinkbrunnen, barriereärmere Wege und Zugänge zu öffentlichen Räumen sowie eine Umgestaltung der Quartiersmitte am Oberen Richtsberg und Umgebung des Christa-Czempiel-Platzes sind Vorschläge der Bürger*innen.
Unter dem Motto „Sprich mit der Stadt“ haben Bürger*innen in Gesprächsecken ihre Anliegen direkt mit einem Mitglied des Magistrats besprochen – entweder mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Bürgermeisterin Nadine Bernshausen, Stadträtin Kirsten Dinnebier oder Stadtrat Dr. Michael Kopatz.
Bereits im Vorfeld der großen Auftaktveranstaltung haben sich die Magistratsmitglieder sowie städtische Mitarbeiter*innen bei Haustürgesprächen mit 144 Haushalten am Richtsberg ausgetauscht und sie zur Veranstaltung eingeladen. Diese wünschten sich mehr Ordnung und Sauberkeit im Stadtteil. Für die Haustürgespräche wurden von allen Bewohner*innen des Richtsbergs 300 Zufallsbürger*innen ausgelost und zum Gespräch eingeladen.
Beteiligung aller Generationen
„Der Richtsberg ist ein so großer und vielfältiger Stadtteil. In diesem Prozess ist es wichtig, alle Generationen einzubinden und zu hören, was diese brauchen. Daher möchte ich alle ermutigen, die Chance zu nutzen, sich zu beteiligen, uns Ideen und Wünsche mitzuteilen und zu schauen, welche Kompromisse möglich sind, damit wir das bestmögliche Ergebnisse für alle erreichen können“, sagte Stadträtin Kirsten Dinnebier.
Auch Kinder und Jugendliche am Richtsberg werden nach ihrer Meinung gefragt. 250 Personen hatten bereits bis zur Auftaktveranstaltung teilgenommen. Die große Mehrheit der Befragten fühle sich am Richtsberg wohl bis sehr wohl. Kinder und Jugendliche wünschen sich vor allem mehr Aufenthalts- und Sportmöglichkeiten.
Beim Auftakt zum Forum hatten Bewohner*innen des Richtsbergs Gelegenheit, ihre Anliegen direkt mit den Mitgliedern des Magistrats zu besprechen.© Stefanie Ingwersen, Stadt Marburg„Der Richtsberg ist ein richtig junger Stadtteil – hier leben sehr viele Kinder und Jugendliche. Umso wichtiger ist es, sie auch wirklich mitzunehmen, wenn es darum geht, ihren Stadtteil zu gestalten“, hebt Bürgermeisterin Nadine Bernshausen hervor. Vor allem Teenager würden bei Beteiligungsprozessen oft vergessen: „Meist denkt man zuerst an kleine Kinder und Spielplätze. Aber auch Jugendliche brauchen Orte, an denen sie einfach sie selbst sein können, sich treffen, austauschen und Freiraum erleben.“
Die eingereichten Ideen, Vorschläge und Überlegungen werden zunächst gesammelt und im Anschluss von Mitarbeitenden der Stadtverwaltung sowie von Planungsbüros geprüft. Diese schauen, ob und in welcher Form sich die Ideen zusammenbringen und umsetzen lassen. „Wir wollen genau diesen Weg gehen und die Bürger*innen beteiligen, sie ihre eigenen Ideen entwickeln lassen und diese dann prüfen anstelle, dass wir eine fertige Planung dem Stadtteil überstülpen. Das ist uns in diesem Prozess besonders wichtig, dass uns die Bewohner*innen sagen, was sie brauchen“, so Stadtrat Dr. Michael Kopatz.
„Richtsberg-Team“ begleitet Prozess
Das „Forum Richtsberg 2035“ schafft Gelegenheit, sich an der konkreten städtebaulichen Planung für den Richtsberg zu beteiligen. Gemeinsam können Bewohner*innen, Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und Planer*innen eine Vision für den Stadtteil in zehn Jahren schaffen. Die Auftaktveranstaltung in der Richtsberg Gesamtschule bildet dabei den Anfang des Beteiligungsprozesses. Ein Begleitgremium – das „Richtsberg-Team“ – soll den Förderprozess begleiten. Ein paar Bewohner*innen haben bei der Auftaktveranstaltung bereits ihr Interesse geäußert, sich im Gremium zu engagieren. Wer ebenfalls Interesse hat, kann sich an die Quartiersmanagerin Pia Tana Gattinger vom Bewohnernetzwerk für Soziale Fragen (bsf) wenden gattinger@bsf-richtsberg.de oder an Peter Schmittdiel vom städtischen Fachdienst Planung, Steuerung und Qualitätsentwicklung, Peter.Schmittdiel@marburg-stadt.de.
Hintergrund:
Das „Forum Richtsberg 2035“ knüpft mit seinem Beteiligungsansatz direkt an das „Stadtlabor Richtsberg“ an, das mit dem Stadtjubiläum Marburg800 begonnen hatte. 2023 wurden dort im Kontext von vielfältigen Kultur- und Beteiligungsangeboten Ideen und Wünsche der Bewohner*innen für ihren Stadtteil gesammelt, die maßgeblich in die Bewerbung des Stadtteils für die erneute städtebauliche Förderung einflossen.
Denn mit der aktuellen Zusage wurde der Stadtteil bereits zum zweiten Mal vom Ministerium für die Förderung „Sozialer Zusammenhalt“ ausgewählt.
Das Programm „Sozialer Zusammenhalt“ verfolgt die Ziele, die Wohn- und Lebensqualität sowie die Nutzungsvielfalt in den Quartieren zu erhöhen, die Integration aller Bevölkerungsgruppen zu unterstützen und den Zusammenhalt in der Nachbarschaft zu stärken. Teilhabe wird dabei betont. Bisher stellt der Bund seit 2020 den Ländern insgesamt jährlich 200 Millionen Euro für das Programm zur Verfügung. Die Länder verteilen diese auf ausgewählte Kommunen, deren Antrag dafür die Grundlage bildet.
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