Das VinziDorf in Wien: Auch in Marburg soll ein VinziDorf entstehen.© Kurt Kuball
Das VinziDorf Marburg soll ein geschützter Wohnort für obdachlose ältere Männer werden, die aktuell keine Perspektive auf regulären eigenen Wohnraum haben. Im Rahmen des Bauleitplanverfahrens findet dazu die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Die Stadt Marburg und die gewobau geben bei einer Veranstaltung am Mittwoch, 2. Juli, von 17 bis 19:30 Uhr einen Überblick über den aktuellen Planungsstand des Projektes. Zudem haben Bürger*innen die Möglichkeit, vor Ort Fragen zu stellen, in den Dialog zu gehen und Anregungen einzureichen.
Die Einreichung von Stellungnahmen zum Bauleitplanverfahren ist bereits seit dem 10. Juni und noch bis zum 11. Juli möglich. Anregungen können entweder per Mail eingereicht werden an bauleitplanung@marburg-stadt.de oder über ein formloses Schreiben an: Magistrat der Universitätsstadt Marburg, Fachdienst Stadtplanung und Denkmalschutz, Barfüßerstraße 11, 35037 Marburg. Alle Infos und Dokumente dazu finden sich unter www.marburg.de/bauleitplanung.
Ein VinziDorf für Marburg – die Idee
Geplant ist eine Anlage aus 15 einzelnen, einfach ausgestatteten Wohnmodulen auf dem Gelände des Vitos-Parks. Für jeden der 15 Bewohner soll es folglich ein eigenes Tinyhaus mit grundlegender Möblierung und sanitärer Grundausstattung (Toilette und Waschbecken) geben. Ergänzt wird die Anlage durch ein zentrales Gemeinschafts- und Verwaltungsgebäude. Dort stehen Ansprechpersonen für soziale Unterstützung zur Verfügung und es entsteht Raum für Begegnung, Beratung und Alltagshilfe.
Das Konzept basiert auf dem österreichischen Modell von Pfarrer Wolfgang Pucher und wurde in Marburg in Kooperation zwischen der Universitätsstadt Marburg, der gewobau und einem begleitenden Projektbeirat für Marburg weiterentwickelt. In diesem Beirat arbeiten Vertreter*innen verschiedener sozialer Träger, Expert*innen und Ehrenamtliche mit. An der Marburger Weiterentwicklung ist auch maßgeblich das Büro gaupenraub +/- mit dem Architekten Alexander Hagner beteiligt. Dieses hat in Wien bereits ein VinziDorf erfolgreich umgesetzt. In Marburg gibt es von Beginn an ein Engagementbündnis, um die Umsetzung des Vorhabens zu unterstützen. Dafür haben sich bereits 127 Personen als Unterstützer*innen registriert. Ziel des neuen Angebots ist ein würdevoller, stabiler Lebensort für Menschen, die keine andere Perspektive haben.
Das VinziDorf
Das Gemeinschafts- und Verwaltungsgebäude ist in zweigeschossiger Bauweise geplant und soll an einem Abschnitt der Cappeler Straße realisiert werden. Durch die zweigeschossige Bauweise lässt sich die überbaute Grundfläche mehr als halbieren.
Die Wohnmodule sind als teilvorgefertigte Holzkonstruktion konzipiert. Die Fassaden, Fenster- und Türanlagen, die Bodenaufbauten sowie die Terrassenflächen sollen im Sinne des zirkulären Bauens möglichst unter Verwendung gebrauchter oder gespendeter Materialien gefertigt werden. Sowohl die Fassaden als auch die Flachdächer eignen sich für Begrünung. Daneben ist vorgesehen zwei der Wohnmodule zusätzlich mit einem barrierearmen Sanitärbereich auszustatten, um auch Bewohner*innen mit besonderen Mobilitätsbedarfen gerecht zu werden. Auch die Zuwegung soll zukünftig barrierearm ausgestaltet werden. Die geplanten Tinyhäuser werden mittels Punktfundamente (Schraubfundamente) errichtet, um die Vegetation und Bodenfunktion unterhalb der Baukörper zu erhalten.
Der Abschluss des Bauleitplanverfahrens wird für Ende 2025 erwartet. Im Anschluss sollen die Bauanträge gestellt werden. Der Baubeginn ist für 2026 und die Fertigstellung bis 2027 geplant.
Engagieren und mitmachen
Alle sind dazu eingeladen, dem Engagement-Bündnis für ein VinziDorf Marburg beizutreten. Interessierte können das Projekt auf ganz unterschiedliche Art unterstützen:
- im eigenen Umfeld für die Idee eines VinziDorfs in Marburg werben
- sich als Unterstützer*in registrieren und öffentlich mit dem eigenen Namen für das VinziDorf Marburg eintreten (Unterstützer*innen erhalten Materialien, die im eigenen Umfeld weitergeben werden können)
- beim Bau der kleinen Häuser oder der Anlegung eines Gartens mithelfen
- in die Nachbarschaftsarbeit einbringen (zum Beispiel durch Koch-, Bewegungs- oder Spielangebote im VinziDorf)
- zukünftige Bewohner bei Behördengängen begleiten
Mehr Informationen zum Projekt sowie Möglichkeiten zum Mitmachen finden sich unter www.marburgmachtmit.de/vinzidorf.
Hintergrund
Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Marburg hat 2021 einen Beschluss zum VinziDorf Marburg gefasst. Der Magistrat sollte die Umsetzung von Tiny-Häusern für obdachlose Männer auf der Grundlage der Strukturen in Marburg prüfen. Mittlerweile ist die fachlich-inhaltliche Abstimmung mit der AG Wohnungslosenhilfe erfolgt, die Bedarfe der Zielgruppe wurden erfragt und ein Projektbeirat wurde gegründet.
Die Beteiligung der Stadtgesellschaft ist ein wesentlicher Bestandteil des geplanten VinziDorf Marburg. Dazu haben bereits mehrere Beteiligungsformate stattgefunden:
- im April 2022 eine Beteiligungsveranstaltung zu Standort und Betriebskonzept,
- im Mai 2022 eine Informationsveranstaltung für die Marburger Ortsbeiräte,
- im September 2022 ein Workshop für das Freiwilligenengagement,
- im März 2023 ein Wintergrillen am geplanten Standort,
- sowie im Juli 2023 eine weitere Informationsveranstaltung.
Auf der Grundlage der Befragungsergebnisse, Anregungen und Rückmeldungen aus den bisherigen Veranstaltungen wurde das Betriebskonzept erarbeitet und eine Standortanalyse vorgenommen, die zum ausgewählten Standort führte. Die Stadtverordnetenversammlung hat das Betriebskonzept im September 2023 beschlossen. Das Betriebskonzept für das VinziDorf Marburg ist Bestandteil der Bauleitplanung.
Das VinziDorf ist als kommunales Angebot zur Unterbringung von obdachlosen Männern geplant. Die Stadt Marburg hat bereits mehrere Angebote mit pädagogischer Unterstützung für obdachlose Menschen, die durch das VinziDorf bedarfsgerecht erweitert werden.
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