Diese Grundschüler*innen der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) verbrachten in Verbindung mit der Betreuung fünf Nachmittage an der Lahn und auf dem Floß.© Simone Batz, Stadt Marburg
Alle Blicke sind auf die Wasseroberfläche gerichtet, als sich das Floß langsam in Bewegung setzt. Während die schwimmende Plattform vom Ufer an den Afföllerwiesen ablegt und ihren Kurs auf der Lahn Richtung Wehrda nimmt, ist die Vorfreude an Bord spürbar.
15 Schüler*innen der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) nutzen das Betreuungsangebot der Stadt Marburg und fahren mit. Begleitet werden sie von Daniela Tänzler und Kristin Nassauer, zwei pädagogischen Fachkräften des Fachdienstes Ganztag und Schulbetreuung, sowie von Erlebnispädagogin Eva Thews, Mitarbeiterin des Vereins zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj).
Thews ist für eine Woche die Kapitänin der Gruppe, stimmt zwischendurch auch mal die Ukulele an und steuert das Floß dahin, wo die Erst- und Zweiklässler*innen gerne anlegen möchten. An diesem Tag geht es zunächst zur Muschelstelle, um kleine Fische zu keschern. Fünf Tage lang verbringen die Kinder mit ihren erwachsenen Begleiterinnen den Nachmittag auf der Lahn und an ihrem Ufer.
Schwimmender Lernort
„Das ist ein schwimmender Lernort. Die Kinder lernen die Lahn als Lebensraum für Tiere und Pflanzen kennen und sie erfahren, warum es so wichtig ist, den Fluss und sein Ufer zu schützen. Dabei leben sie ihre Entdecker-Freude aus“, sagt Bürgermeisterin Nadine Bernshausen.
Während der Fahrt auf dem Floß sitzen einige Kinder auf den Bänken und sehen sich Bücher an oder beobachten die Umgebung.© Simone Batz, Stadt MarburgDas Floßprojekt des bsj verbinde Umweltbildung und Naturpädagogik mit der so genannten Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Diese Form von Erlebnispädagogik sei seit 2017 im Hessischen Schulgesetz verankert. „So lernen Kinder und Jugendliche, Zusammenhänge unserer Welt besser zu verstehen und verantwortungsvoll mit Natur, Ressourcen und miteinander umzugehen.“
Im Laufe der Woche gewinnen die Kinder Sicherheit im Umgang mit dem Floß. Routiniert bewegen sie sich auf dem schwimmenden Gefährt und widmen sich ganz ihren Interessen. Einige Kinder fischen mit Keschern und Eimern kleine Fische und Muscheln aus dem Wasser und lassen sie in einem Aquarium schwimmen, um sie weiter zu beobachten. Ein paar Jungs und Mädchen hantieren mit Wasserschläuchen, Gießkannen und Trichtern.
Andere Kinder genießen die Ruhe, machen es sich auf den Bänken gemütlich und beobachten die Umgebung. Was es wohl heute zu sehen gibt? An den vorangegangenen Tagen haben sie einen Eisvogel, Fischreiher und Regenbogen gesichtet, berichten sie. An diesem Tag entdecken sie unter anderem Wasserläufer, eine Libelle und eine Spinne. Manche sehen sich Tierbücher an, während andere ihre aus Stöcken und Schnüren gebauten Angeln durch das Wasser gleiten lassen.
Gemeinsames Erleben
Das Kinderfloß ist eine 28 Quadratmeter große, schwimmende Plattform, auf der Bänke, Aquarien, Kescher und weitere Utensilien mitfahren.© Simone Batz, Stadt MarburgNach dem Zwischenstopp an der Muschelstelle geht es noch ein Stück weiter die Lahn entlang. „Wie lautet unsere Regel beim Ab- und Anlegen?“, wiederholen die Erwachsenen, bevor sich das Floß in Bewegung setzt oder anlegt. „Alle bleiben sitzen“, rufen die Kinder und nehmen auf den Bänken Platz. Bevor es dann wieder zurück Richtung Fischtreppe geht, gibt es zur Stärkung noch ein Picknick auf dem Floß.
Während dieser Woche lernen die Kinder nicht nur die Lahn und das Ufer als Lebensraum für Tiere und Pflanzen kennen. Sie erleben sich auch als Gruppe, die zusammen plant, handelt und Herausforderungen meistert. So gehört auch eine Nachbesprechung am Ende jedes Nachmittages dazu. Am letzten Tag der Projektwoche gibt es einen gemeinsamen Abschluss mit den Eltern am Lahn-Ufer. Dann haben die Kinder die Möglichkeit, zu erzählen und zu zeigen, was sie alles gelernt und erlebt haben.
Zum Hintergrund
Das Floßprojekt ist eines der Angebote im Zusammenhang mit den nachschulischen Betreuungsangeboten, die die Stadt finanziert. Der Fachdienst Ganztag und Schulbetreuung übernimmt die Koordination und organisatorische Planung des Projektes mit dem bsj.
Neben dem Betreuungsangebot an der Geschwister-Scholl-Schule zählt auch das Betreuungsangebot an der Emil-von-Behring-Schule zu den Gruppen, die in diesem Jahr am Floßprojekt teilgenommen haben. Seit 15 Jahren ermöglicht die Stadt Marburg pro Jahr fünf Betreuungsangeboten Marburger Grundschulen jeweils für eine Woche die Teilnahme am Floßprojekt. Weitere Informationen zum Floßprojekt gibt es unter www.bsj-marburg.de/kinderfloss.
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