© Patricia Grähling, Stadt Marburg
Die Folgen des Klimawandels sind auch in Marburg immer häufiger zu spüren: trockene Sommer und heißere Nächte, in denen die Innenstadt weniger abkühlt – und zugleich häufigere Starkregenereignisse und Hochwasser. „Gerade erst haben starke Regenfälle in dieser Woche wieder gezeigt, wie schnell Kanäle am Rande ihrer Kapazität sind und wie schnell Straßen und andere Flächen unter Wasser stehen können“, so Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Wir müssen dafür sorgen, dass das Wasser sinnvoll zwischengespeichert werde kann, bis es wieder abfließen kann.“ Das ist das Prinzip der sogenannten „Schwammstadt“, das Marburg in seiner Stadtplanung verfolgt.
Um die Stadt an die Folgen des Klimawandels anzupassen, hat der Bund das Förderprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“ aufgelegt. Damit werden Projekte in der Stadtentwicklung gefördert, die besonders wirksam dabei helfen, die Stadt an den Klimawandel und die Folgen anzupassen. In Marburg stehen nun im Rahmen eines neuen Förderprojekts zwei Maßnahmen an, um Retentionsraum für den Teufelsgraben und den Michelbach zu schaffen.
Insgesamt rechnet die Stadt Marburg mit Kosten von 3,848 Millionen Euro. Der Bund fördert das Projekt mit 75 Prozent der Gesamtkosten, was einer Fördersumme von 2,886 Mio. Euro entspricht.
Stadt Marburg investiert in Klimaresilienz
Dr. Thomas Spies hebt die Vorreiterrolle Marburgs hervor: „Der Schutz vor Starkregen und die ökologische Aufwertung gehen bei uns Hand in Hand. Mit den multifunktionalen Retentionsmaßnahmen in Wehrda und Michelbach schaffen wir mehr Sicherheit, Biodiversität und Lebensqualität für alle Generationen. Dieses Projekt ist ein echter Meilenstein für Marburg – ökologisch, sozial und urban.“
Umgesetzt werden soll die Schaffung zweier naturnaher Retentionsflächen:
In Wehrda wird der Teufelsgraben renaturiert. Das Gewässer verläuft derzeit noch verrohrt unter dem Sport- und Spielplatz „Zur Wann“. Die Anpassung sieht eine Offenlegung des Gewässers und das Anlegen von Querdämmen zur Zwischenspeicherung von Wasser vor. Weiterhin soll eine klimaangepasste Bepflanzung erfolgen und somit auch Aufenthaltsräume für die Menschen geschaffen werden, etwa mit einem Mehrgenerationenplatz.
In Michelbach erfolgt eine Renaturierung des Michelbachs. Der verläuft bislang in einem engen Bett. Die Anpassung sieht mehr Platz fürs Gewässer auf den anliegenden Marburger Grundstücken vor. Es gibt eine neue Bepflanzung, die derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche soll außerdem mehr Aufenthaltsqualität bekommen.
Ziel ist es, dass sich das Wasser bei Starkregen und Hochwasser außerhalb der bebauten Gebiete ausbreiten kann – und sich so weniger Wasser innerorts aufstaut. Beide Maßnahmen folgen dem Prinzip der Schwammstadt und sind als Modellprojekte auf andere Städte und Gemeinden übertragbar. Die Stadt will damit einen entscheidenden Beitrag zur Klimafolgenanpassung leisten.
Gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft
Mit der Übergabe des Förderbescheids startet die Umsetzung der beiden Maßnahmen ab diesem Jahr. Sie gelten als Leuchtturm für die klimafreundliche und resiliente Entwicklung der Stadt Marburg. Oberbürgermeister Spies betont abschließend: „Unsere Pflicht ist es, den kommenden Generationen eine Stadt zu hinterlassen, die den Herausforderungen des Klimawandels gewachsen ist. Dank der Förderung des Bundes können wir diesen Anspruch mit Leben füllen.“
Auch der parlamentarische Staatssekretär Sören Bartol zeigt sich überzeugt: „Die Auswahl des Marburger Projekts in die aktuelle Förderrunde des Förderprogramms war mir sehr wichtig und unterstreicht seine hohe fachliche Qualität und seinen Modellcharakter für ganz Deutschland. Es freut mich daher sehr, heute den Förderscheck für dieses Projekt überreichen zu dürfen. Wir alle erleben es sehr deutlich, der Klimawandel stellt uns bundesweit vor Herausforderungen. Mit diesem Projekt zeigen wir, wie Städte und Dörfer angesichts des Klimawandels nicht nur reagieren, sondern zukunftsweisende Lösungen schaffen können. Die Maßnahmen in Wehrda und Michelbach und das Engagement hier in Marburg sind beispielhaft und machen Mut. Sie stehen für den Wandel, den wir in ganz Deutschland brauchen – mutig, innovativ und gemeinschaftlich.“
Hintergrund
Die Stadt Marburg hat ein Klimaanpassungskonzept erarbeitet und 2022 vorgestellt. Die Analysen zeigen etwa, wo es besonders heiß wird, welche Temperaturen in der Innenstadt auch in der Nacht herrschen, an welchen Stellen es abkühlt und wo nicht. Auch die Starkregengefährdung wird dargestellt. Und: Das Konzept zeigt Lösungen auf. Was kann die Stadt Marburg konkret tun, um die Stadt an die verschiedenen Folgen des Klimawandels anzupassen – etwa durch mehr Bäume und Beschattungen in der Innenstadt. Ein Baustein ist auch die „Schwammstadt“ – das bedeutet etwa, dass die Stadt so gestaltet wird, dass sie wie ein Schwamm Wasser aufnehmen, speichern und wieder abgeben kann. Es bedeutet etwa, dass für Straßen und Gehwege durchlässige Materialien verwendet werden – wie bei der Neugestaltung der Liebigstraße angedacht. Wichtig ist dabei auch, dass Grünflächen und Wasserflächen geschaffen werden.
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