Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (8.v.l.) überreichte an Michael Welfer vom Hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innovation (4.v.l.), die Projektbroschüre. An dem Projekt-Abschlusstreffen nahmen Vertreter*innen mehrerer Partner-Kommunen und -Landkreise, der Koordinierungsstelle Kommunale Verwaltungsdigitalisierung (KKV) sowie der ekom21 teil.© Simone Batz, Stadt Marburg
Geburtsurkunde anfordern, einen Termin im Stadtbüro machen, einen Zuschuss für Mehrwegwindeln bekommen oder den StadtPass beantragen: Die Stadt Marburg hat mittlerweile mehr als 100 digitale Dienstleistungen. Aber sind die Online-Prozesse für die Bürger*innen verständlich? Welche werden besonders häufig genutzt und welche gar nicht? Und welche Online-Dienste klappen in einer Nachbarstadt besser als in Marburg?
Die Stadt Marburg arbeitet gemeinsam mit Partner-Kommunen und Landkreisen daran, die Online-Services stetig für die Bürger*innen zu verbessern. Dazu hat Marburg zunächst über ein Förderprojekt „eGovSAD“ entwickelt – ein Analyse-Werkzeug, um etwa zu sehen, wann Bürger*innen einen Online-Service abbrechen. Nun hat die Stadt gemeinsam mit Fulda, Gießen, Limburg, Offenbach, Wetzlar, Frankfurt, Kassel und dem Rheingau-Taunus-Kreis eGovSAD durch GoDonu weiterentwickelt. GoDonu ist der nächste Schritt und hilft den Städten dabei, die Erkenntnisse aus eGovSAD miteinander zu vergleichen, voneinander zu lernen und so gemeinsam besser zu werden.
Die Broschüre zum Projekt GoDonu lag beim Abschlusstreffen aus.© Simone Batz, Stadt Marburg„Digitalisierung gehört zu den zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Denn es reicht nicht, Angebote und Prozesse ins Digitale zu übertragen – sie müssen funktionieren und dabei einfach und intuitiv in der Anwendung sein. Daher sind wir sehr stolz auf die Projekte eGovSAD und GoDonu, die maßgeblich dazu beitragen, unsere Online-Services für die Bürger*innen zu verbessern. Besonders freuen wir uns, dass von diesem Projekt auch alle nachnutzenden Kommunen profitieren“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Mittlerweile nutzen mehr als 100 Städte und Landkreise eGovSAD.
Das Ministerium hat für die Umsetzung der beiden Projekte rund 1,8 Millionen Euro Fördermittel aus dem Programm „Starke Heimat Hessen“ zur Verfügung gestellt. Zudem übernimmt das Land die Betriebskosten für Civento und eGovSAD bis Ende 2029 im Rahmen der Kooperationsvereinbarung „Kommunale Verwaltungsdigitalisierung“. Michael Welter, Leiter der Abteilung Digitalisierung der Kommunen, ländlicher Raum und Gesellschaft des Hessischen Ministeriums für Digitalisierung und Innovation, hat die Praxisdokumentation des Projektes GoDonu in Marburg entgegengenommen und dem interkommunalen Projektteam zum erfolgreichen Abschluss des Projektes GoDonu gratuliert.
„eGovSAD hat gezeigt, wie wir durch den Einsatz moderner Technologien effizienter und bürgerfreundlicher arbeiten können und wie der Nutzen für Bürgerinnen und Bürger konsequent in den Mittelpunkt der digitalen Transformation gestellt wird. Mit GoDonu gehen Sie nun einen Schritt weiter und machen die Nutzung von Online-Diensten vergleichbar. Somit können Vorreiter identifiziert und von deren Lösungen gezielt gelernt werden. Wie gut diese Idee war, zeigt zum einen das hohe Interesse der Kommunen, sich an dieser Interkommunalen Zusammenarbeit zu beteiligen, und zum anderen die Nutzung des Tools durch weitere hessische Kommunen und Bundesländer“, sagte Abteilungsleiter Welter in Vertretung für die Hessische Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus.
Mehr Transparenz und Erkenntnisse mit GoDonu
GoDonu steht für „Gemeinsam online Daten offen nutzen“. Die Idee: Je mehr Städte ihre Online-Dienste miteinander vergleichen, desto mehr können diese voneinander lernen und die Services noch schneller verbessern. So ergänzt GoDonu durch die entwickelten Funktionen die bereits hessenweit genutzte Analyse-Plattform eGovSAD. Ein Beispiel dafür ist die Feedback-Funktion: Bürger*innen haben, wenn sie eine digitale Dienstleistung nutzen, zu jederzeit die Gelegenheit, über den Feedback-Knopf eine selbst verfasste Rückmeldung zu geben, wie „Ich verstehe nicht, was ich in das Feld ganz oben eingeben soll“. So erhalten die Kommunen ein direktes Feedback, wo ein Formular oder der Prozess noch zu umständlich ist. Diese Funktion wird bereits von den meisten Online-Diensten unterstützt.
Zudem können zukünftig wichtige Daten ganz einfach in Form eines Dashboards zusammengestellt und im Internet verfügbar gemacht werden. Ein Beispiel für ein solches Daten-Dashboard findet sich unter www.marburg.de/egovsadhessen.
Was ist eGovSAD?
Dr. Karen Verbist, Leiterin des Marburger Fachdienstes Digitalisierung, stellte die Ergebnisse des Projekts GoDonu vor.© Simone Batz, Stadt MarburgWas kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach: Das „eGovernment Service- und Analyse-Dashboard“, kurz eGovSAD, funktioniert wie eine Art cleveres Cockpit für die Auswertung der Online-Angebote. Dieses zeigt auf einen Blick alle wichtigen Informationen über die Nutzung.
So hilft eGovSAD bei der Beantwortung folgender Fragen:
- Wie oft werden die Online-Dienste genutzt? Wann am liebsten? Und nutzen die Bürger*innen eher ihr Handy oder den Computer?
- Wo hakt es vielleicht noch? Warum brechen Bürger*innen einen Vorgang ab und an welcher Stelle?
- Welche Bezahlmethoden werden am liebsten genutzt?
- Welches Feedback geben die Bürger*innen?
Kurz gesagt: Mit eGovSAD können die Online-Dienste gezielt an die Bedürfnisse der Bürger*innen angepasst und so stetig verbessert werden. Die Stadt Marburg hat dieses System gemeinsam mit den Städten Fulda, Gießen, Limburg, Offenbach und Wetzlar entwickelt. Auch die ekom21, Hessens größter IT-Dienstleister für Kommunen, ist ein starker Partner. Sie betreibt eGovSAD für alle beteiligten Städte und unterstützt diese unter anderem bei Fragen.
„Im Prinzip kann man es sich so vorstellen, dass jede Stadt über ihre Online-Services und deren Nutzung ein Notizbuch führt. Das ist eGovSAD. GoDonu bietet die Möglichkeit, diese Notizbücher ganz einfach miteinander zu vergleichen und so voneinander zu lernen. Zum Beispiel: ‚Bei uns füllen viele ein bestimmtes Formular nicht zu Ende aus. Wie ist das Formular bei euch aufgebaut? Vielleicht können wir unseres anpassen.‘ – Das ist die Grundidee. Gemeinsam arbeiten wir daran, unseren Service für die Bürger*innen zu vereinfachen“, so Dr. Karen Verbist, Fachdienstleitung Digitalisierung der Stadt Marburg.
Datenschutz geht vor
Ganz wichtig dabei: Sowohl bei eGovSAD als auch bei GoDonu werden keinerlei persönliche Daten gespeichert. Alle Informationen, die die Kommunen einsehen können, sind komplett anonym. Die Daten zeigen, welche Dienste wann und wie oft genutzt wurden, jedoch nicht von wem.
Online-Dienste der Stadt Marburg
Die Stadt Marburg bietet den Bürger*innen aktuell mehr als 100 Online-Dienste. Die Angebote finden sich unter www.marburg.de/digital.
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