© Patricia Grähling, Stadt Marburg
Die Gisselberger Spannweite ist zu einem wahren Naturidyll geworden. Der rund eineinhalb Kilometer lange Abschnitt der Lahn wird nicht nur von Spaziergänger*innen und Naturfreund*innen gerne aufgesucht – auch viele Tier- und Pflanzenarten fühlen sich im Flussbett, an den Kiesbänken und im Totholz wohl. Um die Uferflächen optimal zu pflegen, setzt die Stadt Marburg nun auf Wasserbüffel.
„Viele regelmäßige Besucher*innen der Gisselberger Spannweite freuen sich schon auf die tierischen Landschaftspfleger“, verrät Bürgermeisterin Nadine Bernshausen zum Dienstantritt der Wasserbüffel. In den vergangenen Monaten habe es schon viele Nachfragen bei der Unteren Naturschutzbehörde gegeben. „Viele wollten wissen, wann denn endlich die Wasserbüffel kommen“, so die Klimaschutzdezernentin.
© Patricia Grähling, Stadt Marburg Jetzt ist es soweit: Nach Abschluss der Erdarbeiten im Jahr 2020 hat sich die Vegetation im vergangenen Jahr erholt. Nun ist es an der Zeit, durch gezielte Beweidung die Flächen offenzuhalten. „Würden wir die Natur auf der Fläche einfach wachsen lassen, so würde sich innerhalb weniger Jahre Auwald entwickeln“, erklärt Bernshausen. Es solle aber Lebensraum für Vögel und Amphibien entstehen und erhalten werden, die auf die offenen Flächen angewiesen sind. Verschiedene Vogelarten können die Flächen als Bruthabitat und in den Herbst- und Wintermonaten als Rastfläche nutzen. Auch die Kreuzkröte ist auf eine offene Fläche angewiesen.
„Genau diese Arbeit sollen nun die Wasserbüffel übernehmen, da sie sich offene Wasserstellen schaffen, erhalten und ausbauen, um darin zu suhlen und sich abzukühlen“, so die Bürgermeisterin. Diese spezielle Eigenart kann durch die üblichen Weidetiere nicht ausgefüllt werden. Daher fiel die Wahl in einem von der Stadt Marburg beauftragten Pflege- und Entwicklungskonzept prioritär auf Wasserbüffel. „Würden die Flächen durch andere Weidetiere genutzt, so müssten die kleinen Tümpel regelmäßig mit dem Bagger ausgehoben werden, da sie ansonsten verlanden würden“, erklärt Bernshausen. Gerade die Kreuzkröte benötigt solche kleinen, sich schnell erwärmenden Wasserstellen. Ihr natürlicher Lebensraum ist daher der Überschwemmungsbereich natürlicher oder naturnaher Flussauen.
Tiere stammen vom asiatischen Wasserbüffel ab
© Patricia Grähling, Stadt Marburg Die Firma M&M Weide GbR aus Wittelsberg übernimmt mit ihren Tieren nun die Pflege der Flächen. Die Geschäftsführer Mario Ebinger und Markus Rhiel sind seit mehreren Jahren mit Wasserbüffelzucht und Landschaftspflege beschäftigt; so bewirtschaften und pflegen sie bereits verschiedene Flächen für den Naturschutz im Landkreis. Ein großer Teil ihrer Herde mit mehr als 40 Tieren ist am Fuß der Amöneburg im sogenannten „Bekassinenloch“ zu finden.
Die domestizierten Wasserbüffel stammen von asiatischen Wasserbüffeln ab, die bereits vor 4000 bis 5000 Jahren in Asien als Haustiere gehalten wurden. Diese domestizierten Büffel verhalten sich gegenüber Menschen im Allgemeinen friedlich. Sie werden als Zug- und Lasttiere genutzt und sind beliebte Lieferanten von Milch, Fleisch und Leder.