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Artenvielfalt und Landschaftspflege im Heiligen Grund
Im Heiligen Grund bei Marburg findet sich eine artenreiche Landschaft mit seltenen Obstsorten, Tieren und Pflanzen. Die Stadt Marburg unterstützt Vereine dabei, die artenreiche Kulturlandschaft zu bewahren.
© Franziska Seer, Stadt Marburg
Ein Reichtum der Artenvielfalt
Der Heilige Grund befindet sich nordwestlich des Stadtteils Ockershausen. Dieses von Streuobstanbau und Terrassenwirtschaft geprägte Gebiet beherbergt eine Vielzahl alter seltener Obstsorten. Eine umfassende Untersuchung des Gebiets im Auftrag der Untere Naturschutzbehörde der Stadt Marburg hat 2024 festgestellt, dass hier ein beeindruckender Reichtum an seltenen und besonders schützenswerten Tier- und Pflanzenarten vorkommt.
Bemerkenswerte Studienergebnisse
Etwa 40 Prozent der Fläche sind gesetzlich geschützte Biotope, die unter den Paragraph 30 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) und Paragraph 25 des Hessischen Naturschutzgesetzes (HeNatG) stehen. Allein sechs Hektar davon bestehen aus artenreichen, mageren Flachlandmähwiesen. Dieser Wiesentyp ist nach europäischem Recht geschützt, da er zahlreiche seltene Pflanzenarten beherbergt. Er entsteht durch eine umweltverträgliche Nutzung der Flächen ohne Düngung und Pestizideinsatz.
Auch die Vogelwelt hat einige Besonderheiten zu bieten. In der struktur- und höhlenreichen Landschaft brütet neben Heckenbraunelle, Bluthänfling und Stieglitz auch der gefährdete Wendehals. Besonders hervorzuheben ist jedoch eine außergewöhnlich hohe Dichte des Gartenrotschwanzes. Mit über 20 Revieren hat das Gebiet für den Gartenrotschanz eine landesweite, überregionale Bedeutung und ist einzigartig in Mittelhessen.
Die Untersuchung der Fledermäuse hat Nachweise von bis zu vierzehn Fledermausarten ergeben, die das Kleinod in Ockershausen zur Nahrungssuche nutzen.
Die sonnenbeschienen Hänge und von Hecken gesäumten Wiesenplateaus sind hervorragende Lebensräume für Zauneidechsen. In den letzten Jahren wurden auch mehrere Lesesteinhaufen freigestellt, die die Tiere zur Fortpflanzung nutzen. Mit etwas Glück kann man an sonnigen Tagen schon vom Weg aus Zauneidechsen über die Steine huschen sehen.
Was "Streuobstwiese“ bedeutet
Landschaftspflege im Heiligen Grund
Bereits bis in die 80er Jahre verbrachte das Gebiet Heiliger Grund. Die Trendwende kam, als in den 1990er Jahren Pflegemaßnahme durch NABU e.V. und BUND e.V. eingeführt wurden: Zum Erhalt der Streuobstwiesenlandschaft werden die Obstbäume regelmäßig geschnitten. Dies ist besonders bei alten Bäumen sehr sorgfältig und mit Vorsicht durchzuführen, um sie möglichst lange zu erhalten. Es werden aber auch junge Bäume seltener Obstsorten nachgepflanzt. Die Hecken und Säume werden zurückgeschnitten, um ein Zuwachsen der Wiesen zu vermeiden. Auch die Wiesen müssen regelmäßig gemäht oder beweidet werden. Daher sind Teile der Flächen an einen Wanderschäfer und verschiedene Weideviehhalter verpachtet. Diese Beweidung ist sehr wichtig, denn nur so kann die Schönheit, Eigenart und Vielfalt des Heiligen Grundes erhalten bleiben. Die Erfassungen in 2024 geben auch Hinweise zur Verbesserung der Landschaftspflege und zielgerichteten Förderung der Artenvielfalt.
Naturerlebnis in einem sensiblen Gebiet
Umweltverbände bieten zahlreiche Führungen und Aktivitäten an, die an die Sensibilität der Umgebung angepasst sind. Auch die Mithilfe bei Landschaftspflegeeinsätzen oder der Obsternte sind sehr erwünscht. Weitere Informationen hierzu geben die Marburger Vereine BUND, NABU, Streuobstfreunde-Marburg oder der NatUrgrund.
Natürlich darf der Heilige Grund auch auf eigene Faust erkundet werden. Zum Schutz von Wild- und Weidetieren sollten Hunde dabei bitte angeleint sein. Weidezäune die aufgestellt wurden, sind zur Landschaftspflege notwendig und sollen dort stehen bleiben, wo sie aufgestellt wurden. Auch Gartenrotschwanz und Zauneidechse freuen sich, wenn Erholungssuchende auf den Wegen bleiben.
Karte
Ansprechperson
| Dr. Franziska Seer | |
| Amt / Bereich Fachdienst 69.2 - Untere Naturschutzbehörde Stadtverwaltung - Software-Center 3 Software-Center 3 35037 Marburg Telefon: 06421 201-6968 E-Mail: naturschutz@marburg-stadt.deE-Mail: Franziska.Seer@marburg-stadt.de | |
| Jelena Langer | |
| Amt / Bereich Fachdienst 69.2 - Untere Naturschutzbehörde Stadtverwaltung - Software-Center 3 Software-Center 3 35037 Marburg Telefon: 06421 201-6982 E-Mail: naturschutz@marburg-stadt.deE-Mail: jelena.langer@marburg-stadt.de | |