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Geschichte der Stadtbücherei
Die Stadtbücherei Marburg hat eine bewegte Geschichte hinter sich. An die 200 Jahre alt ist das Gebäude, in dem sie sich befindet – in der Ketzerbach, unweit der Elisabethkirche. Doch bevor das Gebäude Bibliothek der Stadt wurde, hatte es einige andere Besitzer und Funktionen.
Sanierung und Modernisierung
Die Stadtbücherei Marburg befindet sich in einem alten klassizistischen Gebäude, das im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Eigentümer beherbergte. Durch die Vielzahl der Um- und Erweiterungsbauten wurde das Haus so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass der Magistrat der Stadt Marburg Mitte der 1980er-Jahre beschloss, das Gebäude in das Sanierungskonzept der Altstadt einzubeziehen.
Ziel war es, das denkmalgeschützte Haus im Sinne einer bewahrenden Sanierung umzubauen. Dabei sollten die charakteristischen Formen und
© Universitätsstadt Marburg Raumstrukturen erhalten werden. Das Bibliothekspersonal unter der damaligen Leiterin Ursula Figge wünschte sich außerdem Funktionalität, Variabilität und optimale Ausnutzung des knappen Raumes.
Die Umbaumaßnahmen gestalteten sich als nicht unproblematisch. Gerade die Bibliotheksnutzung verursachte erhebliche Probleme für die Deckentraglast der Fachwerkkonstruktion. Denn das hohe Gewicht der Bücherregale musste eine kleine Bodenfläche tragen. Es traten Verformungen der Balken auf, die sich geradezu ins Mauerwerk „eingearbeitet“ hatten. Zudem hatten die zahlreichen Umbauten das statische Konzept des Gebäudes völlig außer Acht gelassen.
Grundlegende Veränderungen
Der Küchenanbau im Innenhof musste ersatzlos abgebrochen werden. Eine großflächige Glasfront über zwei Etagen entstand. Im Gebäude-Inneren wurden ein Aufzug und ein neues Treppenhaus eingerichtet.
Das bestehende Fachwerk blieb erhalten, wurde jedoch mit einem parallelen (zweiten) System aus Stahlträgern ergänzt, so dass sich die Traglast der Lastbalken von 200 auf 500 Kilogramm erhöhte. Ein neues Belüftungssystem sorgt für einen gleichmäßigen Luftstrom und eine gesunde Belüftung des Fachwerks.
Diverse Wand- und Decken-Durchbrüche sowie zwei Galerien stellen eine funktionale und optische Verbindung zwischen den Stockwerken her.
„Architektur ist verstanden als Mittel, eine Umwelt zu schaffen, die den kulturellen Bedürfnissen des Benutzers entspricht...“ (Architekt Ante J.v.Kostelac in „Neues Bauen in der alten Stadt“, 1989)
Geschichte in Zahlen
1835/36:
Bau des Gasthofes „Zum Ritter“
1894:
Umbau des Hotels „Zum Ritter“
1939:
Umbau des Hauses zusammen mit Steinweg 44 Anbringung der Freitreppe; das Haus kam in den Besitz des Landeshauptmanns und beherbergte die Dienststellen des Bezirksverbandes Hessen, daneben wurde im Erdgeschoss der Restaurationsbetrieb fortgeführt und ein größerer Sitzungssaal sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsräume ausgebaut.
1945:
Nach Kriegsende: Beschlagnahmung des Hauses durch die amerikanische Besatzungsmacht
1949:
Haus wird als „Amerika-Haus“ eingeweiht.
1960/61:
Die Volkshochschule, das städtische Schulamt und die Stadtbildstelle ziehen in das Amerika-Haus ein.
1962/63:
Die Stadtbücherei bezieht das 2. Obergeschoss des Amerika-Hauses; im 1. Obergeschoss ist die Amerika-Bücherei untergebracht. Nun befinden sich die kulturellen Einrichtungen der Stadt Marburg zentral in einem Gebäude. Das Gebäude erhält am 2.12.1963 die Bezeichnung J.F. Kennedy-Haus.
1965/66:
Das Deutsch-Amerikanische Institut e.V. als Träger des Hauses löst sich auf; die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft e.V. als Träger und die Stadt Marburg übernehmen die Amerika-Bücherei als Deutsch-Amerikanische Bibliothek. Sie wird bei gleichen Benutzungsbedingungen von der Stadtbücherei in Personalunion mitbetreut.
1974:
Die Stadt Marburg erwirbt das Haus Ketzerbach 1 vom Land Hessen für 200.000 DM.
1982:
Das Dachgeschoss wird modernisiert und mit Naturschiefer gedeckt.
1985:
Der Architekt von Kostelac wird mit der durchgreifenden Modernisierung des Gebäudes beauftragt.
1986:
Die Stadtbücherei und die Deutsch-Amerikanische Bibliothek ziehen vorübergehend in die Robert-Koch-Str. 15 – die ehemalige Strahlenklinik – um, während die VHS auf Dauer ihr neues Domizil in der Deutschhausstr. 38 erhält. Der Magistrat beschließt die Fortführung der Gaststätte „Alter Ritter“ im modernisierten Gebäude; der Hessische Minister des Innern bewilligt Städtebaufördermittel in Höhe von ca. 3,8 Mio. DM.
1988:
Beginn der Rohbauarbeiten: Der Vertrag mit der Marburger Brauerei als Teileigentümerin des Gebäudes für den Gaststättenbereich wird abgeschlossen; der Verkaufserlös beträgt ca. ¾ Mio. DM. Die Rohbauarbeiten werden abgeschlossen.
1990:
Das J.F. Kennedy-Haus wird wiedereröffnet. Die Stadtbücherei und die Deutsch-Amerikanische Bibliothek beziehen ein vollkommen modernisiertes Gebäude. Die Sanierungsmaßnahme erbrachte für ca. 6,2 Mio. DM ca. 1.156m² Haupt- und Nebennutzflächen.
1997:
Die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft e.V. löst sich auf. Die
Deutsch-Amerikanische Bibliothek wird als Abteilung der Stadtbücherei weitergeführt.
2001:
Der Sachbuchbestand der Deutsch-Amerikanischen Bibliothek wird aufgelöst und in die Sachbuchabteilung der Stadtbücherei integriert.
2003/2004:
Der deutsch- und fremdsprachige Belletristikbestand der Deutsch-Amerikanischen Bibliothek wird in die Bestände der Stadtbücherei integriert. Die Räume der DAB werden nach umfangreichen Umbaumaßnahmen (neue Regale etc.) für die erweiterte Sachbuchabteilung und die neue Fremdsprachenabteilung genutzt.
2009:
Die Stadtbücherei gestaltet den Verbuchungsbereich im Erdgeschoss komplett neu und stellt gleichzeitig auf eine neue EDV-Technik um. Fünf Selbstverbuchungsstationen, ein Mitarbeiterserviceplatz, verschiedene Rückgaberegale für Medien, eine neue Mediensicherungsanlage an den Ein- und Ausgängen und ein Kassenautomat werden neu installiert.
ab 2013 bis heute:
Sukzessive erfolgen die Anschaffung neuer Medienregale zwecks Erweiterung von Regalflächen, von Mobiliar für Personal- und Nutzer*innenarbeitsplätzen, die Aufwertung der Kinderbibliothek durch einen neuen Aufenthaltsbereich mit begehbarer Ritterburg sowie Erweiterungen von technischen Ausstattungen (PC-Arbeitsplätze, Whiteboard etc.). Die Beleuchtung wird auf energieeinsparende LED-Technik umgerüstet und aufgrund zu geringer Büroflächen für Mitarbeiter*innen müssen im 2. Obergeschoss Medienflächen zu Büroarbeitsplätzen umgewidmet werden.
(aus: Bürgerinformation Marburg 44/1990 sowie Ergänzungen)

