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Alte Universität
Die Alte Universität und die Universitätskirche liegen zwischen Lahntor und Reitgasse, oberhalb des Rudolphsplatzes. Eine versteckte Steintreppe führt Gäste von dieser Kreuzung hinauf zu den beeindruckenden Gebäuden in der historischen Oberstadt. Ihre Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück und spiegelt die reiche akademische Tradition Marburgs.
© Dennis Siepmann, Stadt Marburg
Gründung der Marburger Hochschule
1291 wurde an diesem Ort ein Dominikanerkloster gegründet. 1527 machte Landgraf Philipp der Großmütige daraus die erste protestantische Universität der Welt. Die Philipps-Universität Marburg begann mit elf Professoren und etwa 90 Studenten. 1541 verlieh Kaiser Karl V. das offizielle Universitätsprivileg. Im 18. Jahrhundert erlebte die Universität unter Christian Wolff eine Blütezeit als Zentrum der Aufklärung. Nach der Eingliederung Hessens in Preußen 1866 folgte ein neuerlicher Aufschwung.
Die Alte Aula: Kunst und Geschichte vereint
Zwischen 1873 und 1891 wurde das heutige Gebäude der Alten Universität im neugotischen Stil nach Plänen von Carl Schäfer umgestaltet. Dabei griff er Elemente der mittelalterlichen Oberstadt auf. Besonders sehenswert ist die 1903 eingeweihte Alte Aula mit Gemälden von Peter Janssen, einem bedeutenden Vertreter der Düsseldorfer Malerschule. Seine Werke zeigen Szenen aus der Stadt- und Universitätsgeschichte. Bemerkenswert sind die Gemälde: "Sophie von Brabant lässt die Marburger Heinrich dem Kinde huldigen", das die Geburtsstunde Hessens im Jahr 1248 darstellt, und die Darstellung der Universitätsgründung durch Landgraf Philipp den Großmütigen im Jahr 1527. Zudem schmückende Aula besondere Glasfenster. Sie sind in einer Technik namens Grisaille gestaltet, die ein besonderes gedämpftes Licht und so eine einzigartige Stimmung schafft.
Studentenkarzer: Ein Blick in die Vergangenheit
Der historische Studentenkarzer, ein ehemaliges Arrestzelle für Studenten, bietet einen Einblick in das Studentenleben vergangener Zeiten. Die Wände sind mit Inschriften und Zeichnungen früherer "Insassen" bedeckt, die von den Sitten und Bräuchen der akademischen Disziplin im 19. Jahrhundert zeugen.
Die Universitätskirche
© Stadtmarketing Marburg e. V.
Die gotische Universitätskirche, ursprünglich Teil des Dominikanerklosters, grenzt an die Alte Universität. Nach der Universitätsgründung diente sie zeitweise als Kornspeicher, bis sie 1658 wieder zur Kirche umgestaltet wurde. Im Inneren finden sich Kunstwerke aus verschiedenen Epochen, von mittelalterlichen Wandmalereien bis zum modernen expressionistischen Orgelprospekt.
Heute beherbergt die Alte Universität den Fachbereich Evangelische Theologie. 2019 diente sie als Kulisse für die Verfilmung von Wolfgang Hohlbeins "Die Wolf-Gäng".
Neben der Kirche zur Reitgasse hin befindet sich der vom Kinder- und Jugendparlament gestaltete "Leseort" mit großen Bronzestühlen. Große Bücher aus dem selben Material zitieren berühmte Kinderbuchautoren und erinnern zugleich an die Brüder Grimm, die hier einst studierten. An der Kirchenfassade kann man das Lichtkunstwerk "Sterntaler" von Doris und Florian Conrad bewundern.
An der unteren Steinmauer der Alten Universität Marburg mahnt eine Gedenktafel. Sie thematisiert die Erschießung von 15 gefangenen Arbeitern aus der Gemeinde Thal durch Marburger Studenten am 25. März 1920 im thüringischen Mechterstädt.
Rudolphsplatz: Urbaner Treffpunkt
© Monika Bunk, Stadt Marburg
Der nahegelegene Rudolphsplatz hat sich in den letzten Jahren zum lebendigen Treffpunkt für zeitgenössische Kunst und urbanes Leben entwickelt. Sobald die Sonne scheint, laden Liegestühle zum Verweilen ein, während die AG Kunst regelmäßig für wechselnde Ausstellungen sorgt - von Streetart über temporäre Installationen bis hin zu eigenwillige Performances. Das Kaffeekästchen, ein beliebter junger Treffpunkt, trägt zur städtischen Atmosphäre bei. Direkt an der Lahn verbindet der Ort auf einzigartige Weise Kunst, Entspannung und urbanes Flair im Herzen Marburgs.
Organisationseinheit
| Fachdienst 41 - Kultur | |
| Stadtverwaltung Gerhard-Jahn-Platz 1 35037 Marburg Telefon: 06421 201-4103 Telefax: 06421 201-4142 E-Mail: kultur@marburg-stadt.de | Montag: 08:00 – 12:00 Uhr |