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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

 

Der Magistrat wird beauftragt,

 

  1. dem beschlossenen Prüfantrag in der Form nachzukommen, dass er zunächst die fachliche Stellungnahme des Jugendhilfeausschusses berücksichtigt, die dieser – wie in seiner Sitzung am 10.12.2020 beschlossen –von dem dafür zuständigen Fachausschuss Jugendhilfe erarbeiten lassen wird, weil es sich hier um Fragen handelt, die in seine Zuständigkeit fallen;

 

  1. dem Kinder- und Jugendparlament den Antrag von CDU, SPD und BfM zukommen zu lassen und es zu bitten, sich mit den dort gemachten Vorschlägen zu befassen und Stellung zu nehmen;

 

  1. geeignete Schritte zu unternehmen, um mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen – die sich auf diesem Gelände tagsüber und abends aufhalten, dort ihren Bedürfnissen nachkommen wollen, Freiräume zu nutzen und Möglichkeiten der Selbstgestaltung ihrer Freizeit zu haben usw. – darüber ins Gespräch zu kommen, wie eine Lösung gefunden werden kann, die ihre, aber auch die Bedarfe der Kinder und der Anwohner*innen berücksichtigt.



 

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Sachverhalt

Begründung:

 

Der Antrag von CDU, SPD und BfM wurde quasi ohne Begründung in der Stadtverordnetenversammlung am 23.10. 2020 beschlossen. Die Gründe, warum der Spielplatz verlegt und/oder eingezäunt werden soll, fand man dagegen nur in einer parallel laufenden Berichterstattung in der lokalen Presse. Dort wurde vorrangig die Störung der Anwohner durch chtlichen Lärm durch Musik und lautes Reden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen beklagt, daneben aber auch die von diesen verursachte Vermüllung des Spielplatzes mit Glasscherben, gebrauchten Spritzen, Essensresten und -verpackungen usw., ohne Rücksicht auf die damit verbundenen Gefahren für die Kinder.

 

Die Klagen der Anwohner werden als zutreffend unterstellt. Und bei der Suche nach einer sung dieser im Antrag nicht genannten aber noch in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung behaupteten Probleme sollten nur der Ortsbeirat und die Anwohner*innen eingebunden werden, nicht aber jene, die die vorgeschlagenen Änderungen direkt betreffen würden, die Kinder und Eltern sowie die Jugendlichen, derentwegen die Änderungen ja erfolgen sollten und denen der von ihnen genutzte Freiraum entzogen werden soll. Auch an analoge Probleme vor einigen Jahren bei den Lahnterrassen und deren Lösungsansätze, die deutlich machten, dass Kriminalisierung der Jugendlichen kein Erfolg versprechendes Rezept ist, wollten sich die Antragsteller nicht erinnern.

 

Weil ihnen dies wahrscheinlich gar nicht bekannt war, haben die Antragsteller sich mit ihrem Verlegungs- und Einzäunungsvorschlag auch darüber hinweggesetzt, dass der Spielplatz im Northampton-Park der interessanteste kind- und naturgerechte Spielplatz von Marburg ist. Wie kein anderer bietet er Kindern vielfältige Erfahrungs- und Gestaltungsmöglichkeiten durch die Mischung von klassischer Spielplatzmöblierung und großen Wiesenflächen, durch den frei fließenden Mühlgraben und die Nähe zum Grüner Wehr. Vor allem deshalb genießt dieser Spielplatz eine große Popularität und wird von Kindern, Eltern und Großeltern aus der ganzen Stadt besucht und sollte Vorbild für die Gestaltung anderer städtischer Spielplätze sein.

 

Die andere, wichtige Benutzergruppe wird auch nicht benannt, obwohl ganz offensichtlich der Antrag vor allem gegen sie gerichtet ist: die sich dort besonders abends aufhaltenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ohne deren Bedarfe auch nur ansatzweise zu sehen oder gar anzuerkennen, sollen sie verdrängt werden. Ohne auch nur ansatzweise den Versuch zu unternehmen, mit den Jugendlichen zu einer Verständigung über den die Anwohner störenden Lärm und Müll zu reden oder wenigstens den Magistrat darum zu bitten. Indirekt bestätigt dieser Antrag, was durch den umfänglichen Jugendbericht nur zu deutlich geworden ist, dass sich viele Jugendliche und junge Erwachsene von der Stadtgesellschaft nicht wahrgenommen sehen, ihre Bedarfe an Freiräumen und Selbstgestaltungsmöglichkeiten nicht gesehen, nicht abgefragt oder in irgendeiner Form berücksichtigt, sondern wie hier nur abgelehnt werden.

 

Hier werden wieder einmal „die“ Jugendlichen pauschal diskriminiert, wenn sie, was ja auch sicher öfter mal der Fall ist, über die Stränge schlagen, sich Gesetzen, Ordnungs- und Anstandsregeln widersetzen. Hier gibt es keinerlei Verständnis dafür, dass Jugendliche ume brauchen, die sie selbst gestalten können, dass sie für ihr Erwachsenwerden Gelegenheiten haben müssen, sich, ihre Möglichkeiten und Grenzen auszuprobieren. Im jüngst vorgelegten Jugendbericht der Stadt Marburg wird von Jugendlichen und jungen Erwachsenen genau dieses Unverständnis, die fehlende Bereitschaft, den Marburger Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren Freiräume zur Verfügung zu stellen, als größter Mangel der Stadt benannt. Sie fühlen sich übersehen, weil ihnen kaum Räume oder Plätze zugänglich sind, die sie selbst gestalten können. Und umgekehrt fühlen sie sich diskriminiert, wenn sie öffentliche Räume, wie die Parks der Stadt, für sich nutzen und als Störenfriede wieder vertrieben werden aber wohin sollen sie gehen? Wir sollten ins Gespräch mit ihnen kommen, ihre Bedarfe anerkennen und Ansätze dafür finden, mit den Jugendlichen gemeinsam Regeln zu entwerfen, die für alle tragbar sind. Wir sollten Orte identifizieren, die ihnen Selbstgestaltungsmöglichkeiten bieten und wir sollten den Jugendlichen Ansprechpartner/Streetworker zur Verfügung stellen, die ihnen helfen, Probleme zu lösen und wenn etwas aus dem Ruder gerät, auf einen für sie akzeptablen Weg zurück zu finden. Ein gemeinsames Gespräch im und über den Northampton-Park könnte ein guter Anfang für eine solche Entwicklung sein.

 

 

Dr. Christa Perabo Roland Böhm

Dr. Elke Neuwohner Renate Bastian

 



 

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