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ALLRIS - Vorlage

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Beschlussvorlage - VO/7808/2021

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

Die Stadtverordnetenversammlung wird gebeten, folgende Beschlüsse zu fassen:

 

-          Der im beigefügten Plan gekennzeichnete Kreisverkehr an der Baldingerstraße soll die Zustimmung des zuständigen Baulastträgers Hessen Mobil vorausgesetzt in   Tawara-Aschoff-Knoten benannt werden.  

 

-          Der Platz auf dem Gelände der Philipps-Universität Marburg, zwischen der Zentralen Medizinischen Bibliothek und der Mensa, wird in „Tada-Urata-Platz benannt.

 

-          Die bislang unbenannte Wegeverbindung zwischen der Alten Kasseler Straße und der Rudolf-Bultmann-Straße erhält den Namen „Buakarie-Mansaley-Kobba-Weg.

 

Die jeweiligen Pläne sind Bestandteil des Beschlusses.

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Sachverhalt

Sachverhalt:

Im europäischen Wissenschaftssystem des späten 19. und 20. Jahrhunderts wurden Leistungen von Wissenschaftler*innen, die nicht aus Europa oder Amerika stammten, weniger wahrgenommen und daher auch weniger gewürdigt.

 

Eine Benennung von Straßen, Wegen oder Plätzen nach außereuropäischen Wissenschaftler*innen, deren Rolle insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einer eher eurozentrischen Ausrichtung nicht immer die angemessene Würdigung erfahren haben, sowie eine Benennung nach anderen außereuropäischen Persönlichkeiten mit Bezug zu Marburg, ist insbesondere angesichts der in den letzten Monaten stattgefundenen Rassismusdebatte ein richtiges und wichtiges Signal.

 

In der Debatte um die Sichtbarkeit von Minderheiten und die Bekämpfung von latentem Rassismus ist es dem Magistrat erstrebenswert, insbesondere diejenigen herauszustellen, die sich trotz gesellschaftlicher rassistischer Diskriminierung durchsetzen konnten und damit auch als Vorbilder dienen können. Über die persönliche Würdigung hinaus, ist dies in einer so internationalen Universitätsstadt ein sinnvolles und notwendiges Zeichen.

 

Aus diesem Grund möchte die Universitätsstadt Marburg, in enger Abstimmung mit der Philipps-Universität Marburg sowie dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, ausländische Persönlichkeiten mit Bezug zu Marburg durch die Benennung von Straßen, Wegen oder Plätzen posthum würdigen.

 

An den Magistrat wurden mehrere Vorschläge herangetragen, drei davon sollen nunmehr der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt werden:

 

1.)    Herr Sunao Tawara (Tawara-Aschoff-Knoten)

Sunao Tawara (*5. Juli 1873; 19. Januar 1952) war ein japanischer Pathologe, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Marburg wirkte. Hier entdeckte er zusammen mit bzw. als Schüler von Ludwig Aschoff den sogenannten Aschoff-Tawara-Knoten. Aschoff war zu jener Zeit ebenfalls kurz als Pathologe in Marburg tätig. Der A-V-Knoten hat eine zentrale Funktion im Reizleitungssystem, seine Entdeckung ist eine bedeutende Leistung, die durch die Stadt und die Philipps-Universität angemessen gewürdigt werden sollte.

 

Sachverhalt:

Die Öffnung Japans für die westliche Kultur in der Meiji­Periode (ab 1868) führte zu einer Umorientierung der Medizinerausbildung hin zum in Deutschland eingeführten System. In der Folge kam es zu einem verstärkten Austausch von Wissenschaftler*innen zwischen beiden Ländern, zu denen auch Sunao Tawara gehörte.

 

Tawara kam Ostern 1903 nach Marburg und wurde hier als Student der Medizin eingetragen. Sein Interesse lag im Bereich der Inneren Medizin, speziell der morphologisch-histologischen Klärung der Myokarditis, an der auch Ludwig Aschoff interessiert war. Dieser, seit kurzem Leiter des Pathologischen Instituts in Marburg, nahm ihn gerne dort auf und beauftragte ihn mit der Forschung an einer Serie entsprechender Präparate. Tawara, offenbar eine sehr zurückhaltende Persönlichkeit, verfolgte seine Fragestellung ohne Unterlass und sehr akribisch - jedoch ohne eine sichere Korrelation nachweisen zu können. Nach zwei Jahren intensiver Arbeit wurde er ungeduldig, denn im Gegensatz zu anderen japanischen Gastwissenschaftlern wurde er nicht staatlich, sondern durch seinen Stiefvater privat finanziert, und als Dank hoffte er, zwei Arbeiten seiner Forschungserträge vorlegen zu können. Inzwischen hatte Tawara die bislang nicht eindeutig geklärte Frage der Reizleitung des Herzens aufgegriffen. Seine Erkenntnisse wiesen auf eine Verbindung der His'schen Bündel und der Purkinje-Fasern über den von ihm so benannten Atrioventrikularknoten hin. Angesichts des Zeitdrucks wandte sich Tawara in einem Brief (datiert Marburg, 8. Oktober 1905) an Aschoff, um ihn - der als Institutsleiter in Forschung und Lehre sehr eingespannt war - gleichwohl um dessen Zusage einer intensiveren Unterstützung in Verfolgung seiner Forschungen zu bitten. Er erhielt eine Zusage Aschoffs, wobei deren konkrete Ausgestaltung zunächst unklar bleibt.

 

In Absprache mit Aschoff wandte er sich den von His jr. beschriebenen Muskelfasern des Herzens zu, die als gesondertes Bündel aus der Vorhofmuskulatur bis in den Ventrikel zu verfolgen sind. Er untersuchte neben menschlichen auch tierische Herzen, vor allem Herzen von Schafen, bei denen diese auffällig großen, hellen Muskelfasern leichter zu identifizieren waren. Dabei konnte er nachweisen, dass das sog. His'sche Bündel nach oben, am Boden des Vorhofs, in eine Art „Knoten" überging, der sich mit den benachbarten Herzmuskelzellen verband. Nach unten, in Richtung der Herzkammer, spaltete sich das Bündel in einen dünnen rechten und einen dicken, breiten linken Schenkel auf („Tawara Schenkel"), die sich weiter auffaserten und in Strukturen übergingen, die als Purkinje-Fasern bekannt waren. Er nannte diese Fasern „Brückenfasern". Die Anordnung der Gesamtheit dieser Fasern verglich Tawara mit einem Baum, dessen Kronengeäst in einen Stamm und dieser wiederum in ein Wurzelgeflecht überging.

Offenbar beeinflusst durch die theoretischen Vorstellungen Aschoffs über die systemische Natur der Bauelemente des menschlichen Körpers, erfasste Tawara die von ihm entdeckte baumartige Struktur als ein Muskelfasersystem, das die Erregung der Herzmuskulatur kontrollierte. Damit war der alte Streit zwischen myogener und neurogener Erregung des Herzens zugunsten der myogenen Erregungsleitung entschieden. Seine Studien veröffentlichte Tawara dann in einer mustergültigen Monografie: „Das Reizleitungssystem des Säugetierherzens - Eine anatomisch-histologische Studie über das Atrioventrikularbündel und die Purkinjeschen Fäden". Aschoff schrieb dazu ein ausführliches Vorwort.

 

Aschoff hatte die Bedeutung der Entdeckung natürlich sofort erkannt und eine kurze Mitteilung veröffentlicht: „Ludwig Aschoff - Marburg, Bericht über die Untersuchungen des Herrn Dr. Tawara, die Brückenfasern betreffend, und Demonstration der zugehörigen mikroskopischen Präparate". Diese Mitteilung trug wesentlich zur raschen Verbreitung dieser fundamentalen Entdeckung bei und war wohl auch der Grund, dass der von Tawara beschriebene Atrioventrikular-Knoten das Eponym „Aschoff-Tawara-Knoten" erhielt.

 

Tawara verließ Marburg im Juli 1906, um nach Japan zurückzukehren. In dem Vorwort, das Aschoff der maßgeblichen Schrift Tawaras „Das Reizleitungssystem des Säugetierherzens: Eine anatomisch-histologische Studie über das Atrioventrikularbündel und die Purkinjeschen Fäden", Jena 1906, voranstellte, hebt er die Leistungen seines Gastwissenschaftlers hervor, ohne sich selbst inhaltlich deutlich mit einzubeziehen. Er erkannte die Bedeutung dieser Forschungen, die Tawara auf Basis unterschiedlicher Tierspezies sehr umfassend und ausführlich darstellte. Sie zeigten schlüssige Erkenntnisse in der Erregungsleitung des Herzens auf, und sie beförderten das Verständnis hinsichtlich der praktisch diagnostischen Anwendung, die mit der etwa zeitgleichen Entwicklung des EKGs durch Einthoven (1903) ihren Anfang nahm.

 

Marburg ist der genuine Ort, an dem diese wichtigen Grundlagenforschungen erfolgt sind. Sie haben hier am Pathologischen Institut stattgefunden (heute Institut für Anatomie und Zellbiologie), in dem bereits in einer kleinen „Ausstellung" an diese bedeutenden Ereignisse erinnert wird, nachdem im Mai 2008 hier das 6. Tawara-Aschoff-Symposium stattgefunden hat.

 

Sunao Tawara war bekannt für seine übergroße persönliche Bescheidenheit, und so war er nur schwer dazu zu bewegen, über seine Entdeckungen zu berichten. Doch japanische Kardiologen (Prof. Kozo Suma, Prof. Toshio Akiyama) machten die fundamentale Bedeutung seiner Entdeckung bekannt, indem sie ein alljährlich stattfindendes internationales Tawara­Aschoff-Symposium gründeten und eine Gedenkstätte an seiner Heimatuniversität errichteten. Auch im früheren Pathologischen Institut Marburg erinnert ein großes, von Prof. Dr. Kozo Suma gestiftetes Wandgemälde an die Zusammenarbeit von Aschoff und Tawara.

 

Vorschlag:

Um die herausragende medizinische Leistung von Herrn Sunao Tawara zu ehren, gleichzeitig aber auch die traditionsreiche wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Japan und Marburg zu würdigen, soll ein Verkehrskreisel auf den Lahnbergen in „Tawara-Aschoff-Knoten“ benannt werden.

 

Dieser Vorschlag wurde sowohl an die Geschäftsführung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg GmbH, als auch an die Philipps-Universität Marburg, Frau Präsidentin Prof. Dr. Krause, herangetragen. Von beiden Stellen erfuhr dieser Vorschlag positive Resonanz.

 

Der Vorsitz der Geschäftsführung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg GmbH teilte mit, „Wir können Ihre Gedanken zur aktuellen Debatte um die Sichtbarkeit von Minderheiten und die Bekämpfung latenten Rassismus sehr gut nachvollziehen und verstehen Ihren Wunsch nach einem sinnvollen und notwendigen Zeichen in unserer Universitätsstadt, dem wir uns sehr gerne anschließen und unterstützen daher Ihren Vorschlag ausdrücklich.“

 

 

Quellen:

Prof. Dr. Irmtraut Sahmland, Philipps-Universität Marburg, Emil-von-Behring-Bibliothek, Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin.

 

Prof. Dr. med. Gerhard Aumüller: Die Entdeckung des AV-Knotens des Herzens durch Sunao Tawara und Ludwig Aschoff, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 2019.

 

 

2.)    Frau Tada Urata (Tada-Urata-Platz)

Frau Dr. med. Tada Urata (*3. Mai 1873; 18. Juni 1936) war eine japanische Augenärztin und die erste Medizinerin, die in Marburg einen Doktortitel erwarb.

 

Ehe sie zum Sommersemester 1903 das Studium der Augenheilkunde in Marburg aufgenommen hatte, arbeitete die in Japan ausgebildete Wissenschaftlerin mehrere Jahre lang am Forschungsinstitut des Bakteriologen Shisabura Kitasato in Tokio, einem Kollegen und Freund des in Marburg lehrenden weltberühmten Impfpioniers Emil von Behring.

 

Am 28. Februar 1905 erlangte sie mit ihrer Dissertation „Experimentelle Untersuchungen über den Wert des sogenannten Crede'schen Tropfens" bei Ludwig Bach (18651912) die "Doktorwürde in der Medizin, Chirurgie und Geburtshülfe".

 

Tada Urata erwarb damit als erste Frau an der Philipps-Universität Marburg den akademischen Doktorgrad im Fach Medizin. Sie ist damit zugleich die erste in Deutschland promovierte japanische Medizinerin. Frau Urata erlangte ihren akademischen Grad deutlich vor der offiziellen Einführung des Frauenstudiums an der Philipps-Universität, die erst zum Wintersemester 1908/09 Frauen zum Studium zugelassen hatte. Möglich wurde dies durch einen Erlass vom 24. September 1900, der es Frauen, die im Ausland studiert haben, ermöglichte, eine Zulassung zur medizinischen, zahnärztlichen oder pharmazeutischen Staatsprüfung im Deutschen Reich zu erhalten. Urata hatte sich gemäß dieser Verordnung als offiziell approbierte Ärztin ohne Schwierigkeiten seit dem Sommersemester 1903 als Hörerin in Marburg einschreiben können.

 

Tada Urata kehrte im Frühsommer 1905 nach Japan zurück und lies sich 1906 zunächst in Tokio als Augenärztin nieder. Ster eröffnete sie zusammen mit ihrem Ehemann im japanischen Bezirk der chinesischen Hafenstadt Tianjin eine Klinik.

 

Nach dem Tod ihres Ehemannes kehrte Frau Urata im Jahre 1932 abermals nach Tokio zurück, wo sie im Jahre 1936 verstarb. 

 

Vorschlag:

Die Zulassung an deutschen Universitäten mussten sich Frauen um die Wende zum 20. Jahrhundert zäh erstreiten. Frau Tada Urata war eine von rund 200 Vorkämpfer*innen des Frauenstudiums an der Universität in Marburg. Durch die Benennung einer Wegeverbindung oder einer Örtlichkeit auf dem Universitätsgelände soll Frau Tada Urata für ihre Leistungen angemessen gewürdigt werden.

 

Durch eine Benennung werden sowohl die persönlichen Leistungen Tada Uratas gewürdigt, zum anderen würde hierdurch die Stärkung des Bewusstseins der Studentinnen, insbesondere der ausländischen Studentinnen und von Studentinnen mit Migrationshintergrund, gefördert werden.

 

Dieser Vorschlag wurde mit Philipps-Universität Marburg abgestimmt. Frau Präsidentin Prof. Dr. Krause schlug als geeignete Örtlichkeit für eine Benennung den Platz zwischen der Universitätsbibliothek Medizin und der Mensa ein Zentrum studentischen Lebens r die Benennung nach Frau Urata vor.

 

 

Anmerkung zur Schreibweise des Namens:

Die Schreibweise des Vornamens von Frau Urata unterscheidet sich in unterschiedlichen Artikeln und Quellen (Tada, Tadako, Tadata).

 

Gemäß Auskunft des Archivs der Philipps-Universität Marburg im Hessischen Staatsarchiv Marburg trägt Frau Urata in den dort vorhandenen Unterlagen ausschließlich den Vornamen Tada. Aus dortiger Sicht besteht deshalb kein Zweifel, dass der Name „Tada Urata“ die richtige Variante darstellt, zumal Frau Urata sich selbst mit dem Namen Tada bezeichnete und auch ihre Dissertation unter diesem Namen veröffentlicht hat.

 

 

Quellen:

Marita Metz-Becker: Frau Doktor hinterm Fenster, in unijournal. Philipps-Universität Marburg.

 

Promotion einer japanischen Doktorandin zum Dr. med. in Marburg, 28. Februar 1905“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/3338> (Stand: 10.6.2020).

 

 

3.)    Herr Buakarie Mansaley Kobba (Buakarie-Mansaley-Kobba-Weg)

Herr Dr. med. Buakarie Mansaley Kobba (*Anfang 1930er-Jahre; 14.02.2015) wurde Anfang der dreißiger Jahre in Mobai im westafrikanischen Staat Sierra Leone geboren.

 

Nach dem Abitur kam er in den 1950-er Jahren zum Medizinstudium nach Marburg und war einer der ersten afrikanischen Studenten in Marburg überhaupt.

 

Mit seinem Charme und seiner Kontaktfreudigkeit konnte er schnell ein Netzwerk aus Verbindungen innerhalb und außerhalb der Universität knüpfen, welches viele Jahrzehnte halten sollte.

 

Nachdem er in Marburg promoviert wurde, erwarb er in Hamburg das Diplom in Tropenmedizin und in Berlin ein Diplom in öffentlichem Gesundheitswesen.

 

In Sierra Leone hat er nach seiner Rückkehr und in Kooperation mit und Unterstützung durch zahlreiche Marburger Bürger*innen und den Verein TERRA TECH Förderprojekte e. V wegweisende Fortschritte für die medizinische Versorgung geleistet. Seine Freunde in aller Welt halfen ihm mit Spenden für den Bau eines Krankenhauses. 1968 konnte die „Eastern Clinic“ eröffnet werden. Das hier arbeitende Personal war sämtlich von Kobba selbst ausgebildet worden und hielt ihm zum Teil über Jahrzehnte die Treue.

 

Kobba hatte erkannt, dass unter den in Afrika herrschenden Bedingungen vor allem eine prophylaktisch ausgerichtete Medizin gefördert werden muss. Im Rahmen eines von ihm durchgeführten „Modellvorhabens zur ländlichen Gesundheitsvorsorge“ wurden mehr als hundert Dörfer mit hygienischen Brunnen und Latrinen ausgestattet. Das „Underfives“-Programm der Klinik besuchte mit einer mobilen Einheit regelmäßig Dörfer in der Umgebung, um dort kleine Kinder zu untersuchen, zu impfen und zu behandeln sowie ihre Mütter in Fragen der Hygiene und Ernährung zu beraten.

 

Die Klinik entwickelte sich kontinuierlich weiter; nicht zuletzt wegen der anhaltenden materiellen und personellen Unterstützung aus aller Welt. Es standen etwa 50 Betten für die kurative Medizin zur Verfügung, ein kleines Labor, zeitweilig auch eine Röntgeneinheit.

 

Herr Kobba begriff, dass ein Krankenhaus, zumal in Afrika, defizitär arbeiten wird, wenn es eine gute und patientenorientierte Medizin leisten will. Da er nicht dauerhaft auf Spenden angewiesen sein wollte, begann er zu finanziellen Absicherung mit landwirtschaftlichen Projekten wie etwa dem Anlegen von Reisfeldern und Ölpalmplantagen.

 

Kobba war seinen Mitarbeitern ein strenger Patriarch, seinen vielen Freunden und Wegbegleitern ein nicht immer einfacher Partner, der mit zähem Streben seine Projekte vorantrieb. Vermutlich konnte er nur so seinen Traum verwirklichen, mitten im westafrikanischen Busch eine effektive Gesundheitsversorgung aufzubauen.

 

Die Erfolgsgeschichte der „Eastern Clinic“ nahm mit dem in 1991 ausbrechenden Bürgerkrieg ein jähes Ende. Die Klinik wurde von Rebellen überrannt und bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Kobba, seine Familie und sein Personal mussten fliehen und die Klinik mit den Patienten zurücklassen.  

 

Die nächsten zehn Jahre verbrachte Kobba als Flüchtling, davon mehrere Monate durch die Rebellen in einem Gefängnis inhaftiert. Nach Ende des Krieges praktizierte Kobba weiter als Arzt. Der sierra-leonische Staat verlieh ihm die Auszeichnung eines „Commander of the Order of the Republic“.

 

In den letzten Jahren seines Lebens zog er sich in seinen Geburtsort Mobai zurück, wo er in kleinem Umfang Kranke behandelte und sich um seine Palmölplantagen kümmerte.

 

Herr Buakarie Mansaley Kobba hatte nie persönlichen Reichtum besessen. Seine unendliche Energie schenkte er seinem Land und den Menschen aus seinem Dorf. Trotz aller Rückschläge arbeitete er bis zum Schluss an seinen Projekten, immer ungeduldig voranstrebend. Herr Kobba starb am 14.02.2015.

 

Durch die Benennung eines Weges nach ihm, soll ein außergewöhnlicher Mensch geehrt werden, der uns allen gezeigt hat, wie Humanität gelebt werden kann.

 

Vorschlag:

r die Würdigung nach Herrn Dr. Kobba ist die bislang unbenannte Wegeverbindung zwischen der Alten Kasseler Straße und der Rudolf-Bultmann-Straße, vorbeiführend an der Waggonhalle, vorgesehen.

 

Das Areal um die Waggonhalle wird in den nächsten Jahren eine bedeutende Aufwertung erfahren, sodass sich dieser Weg für eine angemessene Würdigung eignet. Darüber hinaus bietet sich dieser Weg auch aufgrund des besonderen Interesses der Waggonhalle an Projekten mit Bezug auf Afrika an.    

 

Dieser Vorschlag wurde aufgrund der engen Verbindung zu Herrn Dr. Kobba mit TERRA TECH Förderprojekte e. V., Herrn Vorstandsvorsitzendem Dr. Gangolf Seitz, abgestimmt.

 

 

Quelle:

Dr. Gangolf Seitz, Vorstandsvorsitzender TERRA TECH Förderprojekte e. V., Auszüge aus dem Nachruf „Gedenken an den „armen, tapferen Doktor vom 3. März 2015

 

 

4.) Rechtsgrundlage der Straßenbenennung

Die Straßenbenennung ist in Hessen nicht spezialgesetzlich geregelt; das Recht zur Benennung einer im Eigentum der Stadt befindlichen Straße ist eine örtliche Angelegenheit, die von den Gemeinden bzw. Städten als Selbstverwaltungsaufgabe wahrgenommen wird. Dabei umfasst das Benennungsrecht nicht nur die erstmalige Namensgebung, sondern auch die Befugnis, einen bereits vorhandenen Straßennamen abzuändern. Auch die Auswahl des Straßennamens ist grundsätzlich in das weit gespannte Ermessen der Städte in politischen und kulturellen Angelegenheiten des örtlichen Wirkungskreises gestellt (Vgl. VG Köln, Beschluss vom 17.08.2007  Az. 20 L 531/07).

Bei Straßen, Wegen, Plätzen oder auch Kreisverkehren kann eine Benennung nur mit der Zustimmung des Eigentümers*der Eigentümerin bzw. mit dem r die Planung, den Bau, den Betrieb und die Unterhaltung einer Straße zuständigen Baulastträgers erfolgen.

 

Die Philipps-Universität Marburg hat der Benennung des Platzes auf dem Universitätsgelände zugestimmt.

 

Eine Zusage des für den Kreisverkehr an der Baldingerstraße zuständigen Baulastträgers Hessen Mobil steht noch aus.

 

Die Wegeverbindung zwischen der Alten Kasseler Straße und der Rudolf-Bultmann-Straße ist in städtischem Eigentum.

 

 

 

 

 

Dr. Thomas Spies

Oberbürgermeister

 

 

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Finanz. Auswirkung

Finanzielle Auswirkungen:

Kosten für die Beschilderung in Höhe von rund 300 Euro je Vorhaben.

 

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